Kai Greene: A Day in the Life

Zusammenfassung: Eine extreme Antwort auf die Frage Wie kann ich Ernährung in mein Leben integrieren? liefert Kai Greene. Wir profitieren von den Erfindungen der NASA ohne in den Weltraum zu fliegen. So können wir auch von den Praktiken der Bodybuildern profitieren eine die Ernährung in unser Leben zu integrieren.

Kai Greene

Für Bodybuilder und andere leidenschaftlich Trainierende muss ich das Video nicht erklären. Kai Greene ist eine der inspirierensten Gestalten des Bodybuildings. In diesem Video geht es jedoch nicht um Bodybuilding. Es geht um eine extreme Antwort auf die Frage „Wie kann ich Ernährung in mein Leben integrieren?“

Unabhängig, wie man den Sport Bodybuilding selbst findet: Bodybuilder sind Spezialisten dafür, ihr ganzes Leben gemäß des Sportes zu organisieren. Wenn man das nicht selbst möchte, so kann man doch von diesen Lernen. So wie wir Erfindungen der NASA nutzen und doch nicht in den Weltraum fahren, können wir von Bodybuildern lernen und doch ein anderes Leben führen.

Kai Greene: A Day in Life

Anfangen

Is it 10g of protein more or less? Who cares? Just get started. – Kai Greene

Am Anfang kommt es nicht auf die Details an. Es gibt einen Haufen Dinge, auf die man achten kann. Das heißt nicht, dass man auf alle achten sollte. Gerade am Anfang ist es wichtig, dass man nicht zu viel gleichzeitig zu verändern versucht. So setzt man sich der Gefahr der Überforderung aus.

Stellen wir uns Stefanie vor. Sie versucht ihre Ernährung umzustellen. Bisher hat sie sich von Fast Food ernährt und nascht gerne Süßigkeiten. Die erste Veränderung könnte sein, dass Stefanie sich nur auf die Lebensmittel beschränkt, die keine Liste von Inhaltsstoffen hat. Diese Verhaltensänderung ist bereits gewaltig. Dazu gehört mindestens Folgendes:

  • Stefanie muss anfangen regelmäßig zu kochen, auch wenn sie müde oder lustlos ist.
  • Stefanie muss ihre Einkaufsroutine verändern. Sie kann nicht mehr einfach eine Pizza kaufen und hat dann eine „Mahlzeit“. Sie muss diese nun selbst zusammenstellen und einen entsprechenden Überblick über ihren Einkauf gewinnen.
  • Stefanie muss ihre Geschmackserwartungen verändern. Fast Food bedeutet automatisch „High Reward“-Food. Das heißt, dass diese Nahrung eine heftige Reaktion im Belohnungszentrum des Gehirns auslösen. Diese fällt bei echter Nahrung geringer aus. Daran muss man sich zunächst gewöhnen.

Ob sie Abends lieber Milchprodukte oder Fleisch essen sollte, wann sie ihre Kohlenhydrate aufnimmt und wenn ja wie viele – all das spielt erstmal keine Rolle. Wenn sie es sich zur Gewohnheit gemacht hat nur unverarbeitete Nahrung zu sich zu nehmen, ist sie bereit für weitere Schritte. Alleine diese Veränderung ist sehr voraussetzungsreich und führt schon in Riesenschritten auf eine gute Gesundheit und ein entsprechendes Aussehen zu.

Der Versuch neue Lebensmittel zu imitieren, geht auf verschiedene Weisen nach hinten los: Stefanie würde sich beispielsweise nicht von alten Geschmackserwartungen lösen. Sie macht sich weiterhin von „High Reward“-Food abhängig.

Entscheidungsermüdung vermeiden

Kai Greene zieht eine einfache Umgebung vor. Er lebt in einer kleinen Wohnung, anstatt sich eine entsprechende Villa zuzulegen. So reduziert er die Ablenkung. Wenn man die Ernährung wirklich in seinen Alltag integrieren will, dann muss meine seine Umgebung entsprechend anpassen. Es geht darum sich gar nicht erst mit Versuchungen zu konfrontieren. Ein einfacher und sehr einleuchtender Schritt ist es, keine Süßigkeiten in Sichtweite herumliegen zu haben. Je häufiger man mit Essen konfrontiert wird, desto wahrscheinlicher wird man auch zugreifen.1 Deswegen sollte man Essen, dass man häufiger essen will, in Sichtweite aufstellen. Das kann zum Beispiel Gemüse als Fingerfood am Arbeitsplatz sein.

Obwohl ich Sonntags meinen Schummeltag habe, habe ich eigentlich niemals Nahrung in meiner Wohnung, die eine ungesunde Versuchung für mich darstellen würde. Ich mache meinen Wocheneinkauf Samstags. Dann kaufe ich auch die Süßigkeiten und „bösen“ Nahrungsmittel für den Sonntag ein. Sonntags esse ich die und für den Rest der Woche bin ich frei von Versuchung. Selbst wenn ich wollte, hätte ich nichts Sündhaftes zur Verfügung.

Kai Greene spricht von der enormen Wichtigkeit von Frischhalteboxen2. Weil Bodybuilder meist ziemlich frequent essen, müssen sie sicher stellen, dass sie zur Essenszeit auch wirklich das Essen zur Verfügung habe, was sie brauchen. Durch die Vorbereitung fällt dann die Entscheidung weg, was man den jetzt essen soll.

Am Anfang des Videos fällt auf, dass Kai Greene seine Nahrung modular aufbaut. Das ist eine nützliche Strategie um Ordnung in die Vielfalt des Nahrungsangebots zu bringen. Der Teller ist nicht in eine Komposition von unendlich vielen Möglichkeiten von Nahrung aufgeteilt. Man hat eine Proteinquelle, eine Vitaminquelle, eine Kohlenhydratquelle usw. Der Teller wird damit zum Baukasten.

So oder so ähnlich mache ich das auch. Meine Mahlzeiten bestehen vor allem aus Protein und Fett. So achte ich darauf, dass ich einfach eine Protein- und eine Fettquelle auf meinem Teller habe. Ein weiteres Beispiel ist die Orientierung an der eigenen Hand von Precision Nutrition.

Ich persönlich kenne alle meine Mahlzeitmöglichkeiten auswendig. Ich weiß, wieviel Protein meine üblichen Mahlzeiten haben. Das heißt, dass ich auch dann nicht nachdenken muss, wenn ich woanders esse. Es muss nicht nachdenken und überlegen. Entscheidungsprozesse sind durch auswendig gelerntes überflüssig.

Gewohnheiten und Rituale

Kochen ist anstrengend

Anfangs erwähnt Kai das Vorkochritual. Entweder bereitet man morgens den Tag vor oder kocht Abends für den nächsten Tag. Für einen Bodybuilder ist es entscheidend, dass er immer vorbereitet ist. Für jemanden, der sich gesund und bewusst ernähren will, ist es meist ebenso entscheidend. Nicht jeder hat den Luxus zu den richtigen Zeiten zu Hause zu sein.

Das Ritual der Nahrungsvorbereitung sichert einen gegen die Unsicherheiten des Tages ab. Bodybuilder wie Kai Greene haben viel um die Ohren. Sie sind viel unterwegs für ihre Sponsoren und kümmern sich um Fans. Sie sind ständig auf irgendwelchen Veranstaltungen und dauerhaft außer Haus. Die gleichen Anforderungen gelten für die meisten Berufstätigen so wie für Studenten. Wer viel außer Haus ist, kann in diesem Punkt von den Bodybuildern lernen.

Glaubenssystem

Unsere Glaubenssätze sind schlussendlich das, was unser Verhalten bestimmt. Besonders diejenigen Glaubenssätze, die bestimmte Sachverhalte mit Genuss oder Leiden verbinden. Das will ich an folgendem Beispiel erläutern:

Wenn Stefanie (die Person von weiter oben) eine Tafel Schokolade ansieht, sieht sie darin eine Belohnung für einen harten Arbeitsalltag. Sie verbindet mit dieser Tafel Schokolade eingemümmelt in ihre Kuscheldecke vor dem Fernseher ihre Lieblingssendung zu sehen.

Wenn ich eine Tafel Schokolade ansehe, dann sehe ich wie mein Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät. Ich stelle mir vor, wie die Mischung aus pflanzlichen Fett, Dextrose und Fructose meine Entzündungswerte nach oben treibt und wie meine körperliche und geistige Leistungsbereitschaft darunter leidet.

Während für Stefanie ein Verzicht auf die Schokolade ein Verlust ihrer Lebensqualität bedeutet, kann man bei mir überhaupt nicht von Verlust sprechen. Stefanie braucht einen Anreiz der größer ist als die erwartete Belohnung durch die Schokolade, wenn sie dauerhaft auf die Schokolade verzichten will. Ich habe diesen Anreiz schon längst. Für mich ist die Schokolade schlicht kein echter Genuss.

Um die Ernährung wirklich in das Leben zu integrieren muss man sie in die Glaubenssätze seines inneren Wertesystems einfügen. Über kurz oder lang fallen wir ohnehin auf diese Werte zurück. Disziplin ist langfristig gerade nicht die Antwort auf die Herausforderung einer guten Ernährung.

Fazit und Praxisbezug

Die psychologische Seite der Ernährung ist der limitierende Faktor dafür, ob eine gute Ernährung bereichernd oder belastend für das Leben ist. Wenn man seine Ernährung bewusst und gesund gestalten will, muss man sich auf Probleme im sozialen Leben einstellen. Man muss alte Gewohnheiten ändern und neue effektive Gewohnheiten entwickeln. Schlussendlich muss man verstehen und lernen, was einem wirklich wichtig ist und schlechte Glaubenssätze aufgeben. Die meisten Menschen kennen diese Zusammenhänge nicht. Viele Ernährungsberater kümmern sich nicht um diese. Doch hier liegen die Gründe, weshalb eine gute Ernährung scheitert. Deswegen ist das ein so wichtiger Punkt für das Projekt Improved Eating.

Fragen

  • Was kannst du von Kai Greene lernen?
  • Was sind deine Glaubenssätze? Was verbindest du mit dem Essen?
  • Wo ist deine größte Hürde bei der guten Ernährung? Was glaubst du, was sich ändern würde, wenn du diese überwindest?

Bilder

Foto von Kai Greene: Photo by www.localfitness.com.au

Photo Credit: Jay DeFehr via Compfight cc

photo credit: Sailing „Footprints: Real to Reel“ (Ronn ashore) via photopin cc


  1. Privitera, G. J. & Creary, H. E. (2012). Proximity and Visibility of Fruits and Vegetables Influence Intake in a Kitchen Setting Among College Students. Environment and Behavior. http://eab.sagepub.com/content/early/2012/04/10/0013916512442892.abstract 

  2. Tupperware (c) ist ein geschützter Firmenname. Deswegen verwende ich ihn nicht. 


7 Reaktionen

  1. shugoshin at |

    Sehr schöner artikel

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Danke dir.

Links von anderen Websites

Bitte halte dich an die Kommentarregeln für diesen Blog.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.