22 Reaktionen

  1. Kai at |

    Hallo Sascha, erst einmal: Dieser Post beeindruckt mich sehr und ich habe mich gefreut das zu lesen. An dieser Stelle einmal 4 nicht ganz widerspruchsfreie Einstellungen von mir zum Thema „denken, fühlen, Wahrheit“:

    1. Wenn man etwas nicht bis zum Ende durchdenkt, dann hat das mit einer Mischung von Bequemlichkeit, Angst und Verdrängung zu tun. Man muss die Konsequenz seiner Gedanken kennen.

    2. Wer alles bis zum Ende durchdenkt, wird verrückt.

    3. Wer alles bis zum Ende durchdenkt und in ein logisches Ende zwingt, hält Widersprüche nicht aus und versucht „Gott“ zu spielen: Den menschlichen Geist zu überwinden. Es handelt sich um eine Form der Sucht.

    4. Logisch zu Ende gedachtes hat zurückverfolgt doch nur einen Kern: Glauben. Man kann die komplexesten Gedanken auf eine Überzeugung reduzieren.

    Das ist der Grund, warum ich gerade auch Essays und Gedichte für eine hammer Variante halte, um Wahrheiten auf die Spur zu kommen. Mein Flaschenhals (wie du es ausdrücken würdest) ist eher Punkt 1.

    Warum ich dis schreibe? Weil ich die Art des Nachdenkens wie in deinem Post sehr schätze. Ich glaube, dass du da auf eine sehr angemessen komlexe Weise versuchst einem Problem aufzulauern.

    Zu der eigentlichen Fragestellung werde ich dir per Mail antworten. Tatsächlich denke ich über genau einige dieser Fragen gerade nach, allerdings aus einer anderen Perspektive. Ist für mich toll nun einen Grund zu haben, das mal zu verschriftlichen. Bekommst du in den nächsten 4 Wochen…

    Danke für deine Inspirationen – was ja wieder zu deinem Post passt :)

    Beste Grüße, Kai

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Danke, Kai.

      Ich bin gespannt auf deine Ausführungen. Für mich liest das so, als würdest du den letzten Grund für Inspiration ansprechen? Wenigstens ist dies der Knackpunkt von Glaube für mich.

  2. Nick at |

    Hallo,

    du schreibst: „Was heißt es, von etwas anderem beseelt zu sein, ohne sich selbst zu verlieren? “ Ich denke aber Inspiration ist eben ein sich verlieren in etwas Größeres, was aber zu Ganzheit führt und einen so erst wirklich zu sich führt. Ganz einfach ist das nicht zu erklären. Inspiration ist für mich eine Mischung aus Idealismus, Mut und Offenheit gegenüber des inneren Willens (vlt. Schicksal, übergeordneter Wille). Einerseits braucht es Idealismus, etwas wovon man glaubt, dass es sich dafür zu leben (und dementsprechend zu sterben) lohnt. Dieser Idealismus wird aber heute mehr und mehr unterdrückt, es geht nur um Materialismus, was hab ich, das bin ich. Es geht um keine geistigen Ideale und wir haben keine Ideale, Ideale sind nicht käuflich und in einer Konsumgesellschaft unwichtig, weil es nur darum geht etwas zu besitzen oder eine tolle Außendarstellung abzugeben. Wir haben keinen Draht zu unserer Mitte, also zu dem Punkt, wo Idealismus entstehen könnte, aber haben auch keine „Helden“ die als Ideal fungieren könnten.

    Dieser Punkt, der Startpunkt der Inspiration ist ein Wille der sich in uns vollenden will. Wie man ihn auch nennen will, er äußert sich in Talenten die wir haben. Wir sind ein Teil dieses Kosmos, der sich Welt und Weltall nennt, wir haben unseren Platz und wir müssen ihn finden, wenn wir Ganz sein wollen. Möglicherweise sind wir davon inspiriert Ganzheit zu erreichen, Potentiale auszuschöpfen, „übermenschliches“ zu erreichen, die Grenzen des „normalen“ zu überschreiten. Schauen wir uns die Natur an, so sehen wir ein wirklich eindeutiger bzw. offensichtlicher Wille der Natur ist Wachstum, etwas über dem aktuell Möglichen hinaus zu schaffen. Wenn wir also unsere Talente erkennen, unseren Punkt in der Mitte, von dem aus wir spüren können, was wir erreichen wollen und können, so ist das der erste Schritt zu Inspiration. Von hier aus kommen auch so Dinge wie Eingebung oder Intuition, das passiert wenn wir offen sind und die Stimme hören.

    Doch Idealismus allein ist noch keine Inspiration. Wir brauchen den Mut, den Mut zur Wahrheit, den Mut zum Handeln, den Mut zum Fehler machen und den Mut sein Ideal zu werden. Dieser Mut schließt ein, dass wir manches einfach tun müssen, weil wir müssen um dem Ideal zu entsprechen, das wir sein wollen, für das es sich lohnt Opfer zu bringen.

    Wenn wir mutig das Ideal anstreben, dass wir in uns tragen, das Feuer erwacht dann vergessen wir alles um uns herum und werden eins mit unserem Tun. Wir vergessen uns selbst und erwachen darin. Wir sind der sich selbstvollendende Wille. Dann bin ich inspiriert, nicht inspieriert von, sondern die Inspiration selbst.

    Reply
    1. Nick at |

      Kleiner Nachtrag: Wenn wir uns motivieren oder inspirieren lassen, von Videos, von Heldenfiguren oder auch von Dir. Dann ist das ja wie ein Weckruf an unser Inneres, das im eigentlichen ja genau so etwas schaffen will. Vordergründig klar, will man auch so coole Moves, schaffen, so mutig sein wie…, so geistreich oder was auch immer. Aber im Innern ist das wie eine Stimme der „Vernunft“, die einen daran erinnert, dass man in sich auch dieses Feuer haben könnte, wenn wir nur etwas disziplinierter wären oder was auch immer. Denn die Glut ist da, in jedem von uns. Motivierende Videos, Musik, Gedichte, Dinge die uns zeigen, dass es möglich wäre erinnern uns an unser eigenes Potential. Manchmal motivieren sie uns auch zum ersten Schritt. Oft verlieren wir uns wieder, doch manchmal bleibt es nachhaltig und wir werden zu unserem eigenen Ideal und dann werden wir ebenfalls zur Inspiration für andere.

    2. Sascha Fast at |

      eine Stimme der „Vernunft“, die einen daran erinnert, dass man in sich auch dieses Feuer haben könnte, wenn wir nur etwas disziplinierter wären oder was auch immer.

      Das ist eine der schwierigen Fragen. Es ist nicht so, dass das ganze Leben ein großes Rätsel ist. Es gibt genügend klare Stellen. Doch aus irgendwelchen Gründen wollen Menschen das nicht haben, was sie eigentlich bewundern. Es sind ja nicht die Kleinigkeiten, wenn man mal ein 50g dunkle Schokolade ist, obwohl eigentlich 25g in einem drakonischen Ernährungsplan stehen. Aber jeder weiß, dass man fleißig sein muss, sogar nur um sich gut zu fühlen. Nicht einmal, um große Leistungen zu erbringen. Aber durch dieses Zusammenhang ist es so, als würden Menschen sagen, dass sie glücklich werden wollen, sich dann aber nicht so verhalten.

    3. Sascha Fast at |

      Moin Nick,

      du nennst genau die schwierige Paradoxie des ganzen: Wie verliert man sich, ohne sich zu verlieren? Ich wage zu behaupten, dass alles, was du sonst geschrieben hast, eine Ausführung des eben jenen Paradoxes ist. Wie löst man den Unterschied zwischen einem Ideal und einem tatsächlichen Selbst auf? Wie löst man den Unterschied zwischen dem eigenen Willen und einer Art höheren Willen auf? Wie können wir anfangen, wenn doch das anfangen selbst das Problem ist? Wie kann man mit dem Anfangen anfangen?

      Ich frage mich bei diesen abstrakten Gedanken, wie man das auf eine einfache und handlungsorientierte Form bringen kann. Im Grunde nicht anders wie bei einer Progression für eine schwierige Übung mit dem Körpergewicht. Ich stelle mir also die Frage, ob es eine Art Leiter gibt. Und was sind wohl die untersten Sprossen?

    4. Nick at |

      Du stellst super Fragen und ich denke darüber nach. Ich denke vieles hängt mit unserer unwirklichen Umwelt zusammen. Diese vielen Selbstverständlichkeiten, die Erziehung, der Überfluss,…Kennst du das Märchen vom Schlaraffenland? Lange habe ich es immer wieder angehört und wollte wissen was denn der Sinn davon ist. Mittlerweile meine ich es zu wissen. Die vermeintlich schönen und guten Dinge werden so oft wiederholt, dass man schon vom zuhören überdrüssig wird. Ich denke das Märchen will uns sagen, dass all der Überfluss, alles was vermeintlich so viel Einfachheit schafft im Endeffekt Überdruss schafft „Taedium Vitae“.

      Somit wäre der Beginn der Reise, die ersten Sprossen vielleicht Abkehr vom öffentlichen Leben, innere Einkehr. Das wird nicht grundsätzlich so sein und nicht bei jedem, aber ich denke viele Menschen heute haben zu einem gewissen Grad überdrüssige Gefühle. Es ist zu viel von allem. Was fehlt ist die Selbsterkenntnis, das Gefühl der Selbsterkenntnis, nicht die erdachte, sondern das was wirklich ist. Uns fehlen Initiationsriten unserer Vorfahren, Waldeinsamkeit, das erkennen der Wildheit in uns, nenn es das Tier. Die Erfahrung von Angst, die Konfrontation mit dem Tod. Die Triebe. Und danach die Bändigung in einen gewissen Rahmen, um Zivilisationstauglich zu sein. All das wird doch schon im Kindergarten kastriert. Wir sollen nicht wütend sein, nicht aggressiv. Wir fürchten uns vor Wespen, haben Angst vor dem Tod und dadurch sind wir nicht fähig voll zu leben.

      Doch was ist der erste Schritt? Die unterste Sprosse? Ich denke Stille wäre der erste Schritt. Ich glaube in dieser Stille finden wir den Willen, unseren eigenen und womöglich unterscheidet er sich kaum von dem übergeordneten Wille.

      Um diese Frage zu beantworten müsstest du vielleicht an dir selbst schauen, was hat dich dazu gebracht überhaupt über die Eingangsfrage nach zu denken? Ist hier vielleicht die Lösung zu finden? Müssen wir vielleicht erst viele, viele Dinge ausprobieren um überdrüssig zu sein um dann diese Leere/Stille zu erleben? Und führt aus der Stille der Weg zur Ganzheit, wo wir wie besessen sind von „unserer“ Aufgabe in der Welt? Ist das der Ersatz für das was unsere Ahnen als Initionsriten in der Jugend gemacht haben? Oder muss etwas in uns angelegt sein? Denn nicht jeder wird überdrüssig…bleibt im Strudel. Andere (Elon Musk) brauchen diesen Umweg nicht zu gehen.

  3. Florian at |

    Ohne großartig drüber nachzudenken würde ich Inspiration als Wiedererkennen eigener Seelenanteile bei anderen Individuen bezeichnen. Nicht das „eigen“ hier sowas wie Privatbesitz bedeuten würde. Der Gedanke impliziert allerdings auch, dass man nicht nur positiv inspiriert werden kann. Die Handhabung des Sortierprozesses liegt natürlich wieder bei einem selbst.

    Peace out. :)

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Moin Florian,

      was wäre ein Fall von negativer Inspiration? Wenn ich dir richtig folge, gibt es den folgenden Fall: Man erkennt eigene Seelenanteile in einem anderen Menschen wider und fühlt sich zu Negativem inspiriert? Oder man erkennt negative Seelenanteile wider und fühlt sich davon inspiriert, wenngleich sich dies nicht gut anfühlt?

      Viele Grüße Sascha

    2. Florian at |

      Ich wollte auf Letztes hinaus, im Kontrast zu: ein Motivationsvideo gucken und danach einen neuen PR im Kreuzheben aufstellen.

      Motivationsfall: Man schaut ein Trainingsvideo eines anderen Menschen an, erkennt ein zukünftiges Idealselbst, fühlt sich inspiriert, packt die Motivation in die Trainingstasche, fährt ins Gym, nutzt das Gefühl um dem Idealselbst näher zu kommen.

      Betroffenheitsfall: Man schaut einen TED-Talk über ein Thema, dass mit einem zu tun hat, erkennt, dass der Sprechende an einem Punkt seiner Entwicklung ist und von diesem begeistert spricht, von dem man selbst schon Abstand genommen hat. Man hat Erfolge gehabt und Fehler entdeckt, hat die Erfolge als Sprungbrett zum nächsten Punkt genutzt und aus den Fehlern gelernt. Abhängig davon wie viel Identifikation noch mit dem Seelenanteil besteht, den man mit dem TED-Talkenden teilt, schmerzt die Erkenntnis, dass man diesen Punkt überwunden hat, und es Zeit ist die Identifikation mit diesem Seelenanteil aufzulösen – „sich selbst gefunden zu haben, um sich selbst zurücklassen“ hast du mal geschrieben. Für mich sind das die widersprüchlichen Momente in denen ich mit Fehlern der Vergangenheit konfrontiert werden und gleichzeitig realisieren muss, dass ich es damals nicht besser wusste oder konnte. Nach Kant: war mein guter Wille wirklich gut? Inwiefern bin ich verantwortlich für meine vergangene Unbewusstheit? Inwiefern wiegt meine neue Bewusstheit dies auf? Inwiefern setze ich die neue Bewusstheit in Taten um?

      Dieser schmerzt – und es schmerzt anders als das Kreuzhebetraining aus dem ersten Beispiel. Dennoch ist man zu diesem Gedankengang inspiriert worden. Dennoch wird einen die Integration dieser im Gedankengang enthaltenen Widersprüche in das eigene Selbst weiterbringen. Das meinte ich, als ich mich spontan für die Wortwahl „positiv/ negativ“ entschied – es bezog sich auf die Bewertung der Gefühlslage, die man währenddessen durchläuft.

  4. Felix at |

    Inspiration ist für mich immer auch ein großer Teil: Erinnerung an die eigene Liebe. Ich sehe Eloy Casagrande beim Spielen und erinnere mich: Mann, was liebe ich das Musizieren. Und dann mache ich Musik. Inspiration kommt in meiner Auffassung stets von Innen, kann jedoch von außen angestoßen werden.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Ich frage mich, wie man dieses „Innen“ denken kann.

    2. Felix at |

      Auf deinen Kommentar kann ich nicht direkt antworten. Also: Das Innen, aus dem die Inspiration kommt ist das gleiche Innen, aus dem Ideen kommen. Inspirationen sind dann Ideen, auf deren Verfolgung und Ausführung man Lust verspürt. Das hilft dir für die Beschreibung des „Innen“ allerdings nicht weiter. Woher kommen Ideen? Die Frage hat auch Jordan Peterson gestellt und nicht beantworten können. Seine These (oder seine Wiedergabe einer These): „Ideen kommen von deinem zukünftigen Ich, das dir damit sagen will, wie du zu einer besseren Version deiner Selbst wirst.“ Gefällt mir, wenn es sich auch wieder nicht festnageln lässt.

      Geben wir uns damit zufrieden und schauen uns diese Lust an. Was ist Ursache von Lust? Ich glaube, das hat mit Vorstellungskraft zu tun. Vermag ich mir vorzustellen, wie sich mein Gewinn oder mein Erlebnis – das Ergebnis dieser Tätigkeit – anfühlt? Vermag ich mir vorzustellen, es durchzuziehen, die Arbeit zu investieren aus dieser Melodie eine ganze Komposition zu machen?

      Ich sage Vorstellungskraft, weil sie begrenzt ist und die gleiche Melodie am Ende einer harten Woche mit psychologischer Belastung durch die Familie oft nicht so attraktiv aussieht wie frisch gebadet nach dem Wochenende.

      Und es gibt die Ideen, die einfach so kommen. Und jene, die man sich erarbeitet. Diejenigen nämlich, welche man nur erbeutet, wenn man sich lustlos und ohne Kraft doch noch ans Klavier setzt und seine Fingerübungen beginnt und sein Repertoire übt und dann spielt und die dann plötzlich aus diesem Spiel entstehen und die man dann trotz zufallender Augen noch ausarbeitet, komponiert und setzt und einspielt.

      Du fragst: Wie fängt man an mit dem Anfangen? Ich sage: Du kommst raus aus deinem Kopf ins Jetzt, blickst nicht auf den Berg, sondern auf den Zentimeter direkt vor dir und fühlst, wie dein Fuß sich auf diesen Zentimeter bewegt. In der Realität habe ich so manchen Song geschrieben, weil ich mich hingesetzt und ergeben habe. Da stand die Gitarre. Was soll ich spielen? Keine Ahnung. Erstmal anfassen. Putzen. Neu Besaiten. Stimmen. Schon klingen Töne. Schon hast du angefangen.

      Insofern ist das Anfangen des Anfangens verwurzelt in der Gewohnheit, im Lebenswandel. Wann bin ich inspiriert? Morgens um 7 nach dem Duschen. Und nachmittags um Punkt 15 Uhr, wenn ich meine Instrumentalübungen beginne.

      Es ist also eine Entscheidung. Nein, es ist jenseits der Entscheidung. Ich entscheide nicht, morgens nach dem Duschen zu schreiben. Es ist eine Gewohnheit. Es ist ich. Dieses Ich spielt ab 15 Uhr Klavier und komponiert.

      Es ist die Gewohnheit, Schläge, Frust und Qual hinzunehmen.

      Das ist Unterbau und Rahmen des „Innen“.

      Vor rund 15 Jahren schrieb allerdings schon ein Freund in einem Mailwechsel viel einfacher: Du kannst auf die Inspiration warten, oder sie einfach* selbst machen.

      *Klar, du willst nicht einfach nur verkopfen, sondern hilfreiche Anleitung geben – da hilft dir „einfach“ überhaupt nicht.

    3. Nick at |

      „Ich frage mich, wie man dieses „Innen“ denken kann.“

      Ich glaube das kann man nicht. Ich denke es ist eine Erfahrung und kann nicht gedacht werden. Man kann sich darauf einlassen oder nicht. Gewissermaßen kann man es „manipulieren“ oder wie Felix sagt „einfach selbst machen“ indem man sich gewisse Gewohnheiten oder Gedanken ins Leben holt, aber denken kann man es glaube ich nicht. Sobald man es denkt, ist es verkopft und es sind Schranken da, die es nicht Voll und Ganz zulassen können.

      Ist es nicht Ziel von Muße an den Punkt zu gelangen, wo das Denken aussetzt und die Inspiration in einem aufsteigt? Wie oft sitzt man an einem Problem, ist total erschöpft, man zermartert sich den Kopf, dann kann man nicht mehr, lässt los und plötzlich steigt die Lösung auf?

  5. Kai at |

    Man sind hier viele kluge Menschen, ist sehr spannend das zu lesen…mir wird erst jetzt klar wie weit das Thema eigentlich führt. Mann landet am Ende auf jeden Fall beim Sinn von allem. So ganz sicher bin ich mir nicht, was Inspiration eigentlich meint. Ich formuliere mal bewusst schräg:

    Die jungen Männer zogen 1914 inspiriert in den Krieg!

    Peter ist Opfer der Propaganda des Barfusslaufens geworden!

    Claudia folgte dem Trend und wurde Buchhalterin!

    Was ich damit meine: Trend, Propaganda, Werbung, Inspiration, Vorbildwirkung usw. sind ja erstmal nur Begrifflichkeiten mit denen wir etwas bestimmtes verbinden. Am Ende dienen sie aber alle dazu (wertfrei von Gut und Schlecht) eine innere Kraft zu erzeugen und zu mobilisieren. Sei es zum Krieg, zur gesunden Ernährung oder zu Marlboro. Sei es zu einem gesünderen Körper, zum Töten, zur Bereitschaft getötet zu werden oder was auch immer. Das wir diese Mobilisierung in uns Realität werden lassen schließt nicht aus, dass wir irren. Also ich meine so RICHTIG irren. Das gute wollen und das komplett falsche tun. Und natürlich auch zur Kunst.

    Der Zustand der Inspiration ist schön:

    „Inspiration ist ein besonders wichtiges Konzept für uns Menschen. Sie verspricht, dass wir unsere Last im Leben leichter tragen können. Wir glauben oft, Inspiration trägt uns.“

    Ja. Aber vielleicht ist Inspiration auch einfach nur ein „Tool“, den die Natur nutzt um uns zu mobilisieren, mit dem sie uns in einen bestimmten Zustand versetzt. Wenn man also Inspiration vom positiven Klang befreit, dann könnte die Auflösung sein: Genauso wie nach der Bewegung die Ruhe nötig ist, so ist nach der Inspiration die Rückkehr zur Rationalität vonnöten. Weil man während der Inspiration GLAUBT. Inpiration ist wichtig, um etwas zu verändern, ein Klavierstück zu schreiben und sein selbst auflösen zu können. Inspiration ist aber keine Mixtur, die man einem Leben dazutut.

    Die von euch genannten Pradoxien löst das natürlich nicht auf…

    @Sascha: Mir ist bewusst, dass ich hier rumeiere. Ich denke darüber aber noch richtig nach und schicke das wie versprochen. Und ja, am Ende vermute ich, dass Inspiration die Sehnsucht nach einem Mix aus Sinn, Bedeutung, allumfassenden Verstehen, Kreativität UND Handeln ist. Das Bild mit der konkreten Handlungsanweisung und der Sproßenleiter ist schön – ich selbst scheitere aber gerade daran woran ich die Leiter lehnen soll. Mir scheint die Wichtigkeit des großen Zusammenhangs bei der Inspiration so wichtig. Also ich glaube das man konkrete Handlungsanweisungen für Inspiration finden kann. Aber ich glaube niemals fehlerfrei. Es muss geirrt werden und braucht immer ein Gegengewicht.

    Reply
  6. Johannes at |

    Inspiration bedeutet für mich, von etwas beseelt zu sein. Das hat für mich eine geistige und eine emotionale Komponente. Diese emotionale Komponente ist ganz entscheidend dafür, ob diese Inspiration Handlung motiviert (1), ob sie gut ist oder schlecht (2) und ob sie authentisch ist oder fremd (3).

    (1) Inspiration muss nicht zu Motivation führen. Ein Übergewichtiger fühlt sich durch die Erfolgsgeschichte eines anderen inspiriert – er bemerkt, dass eine Veränderung möglich wäre. Doch das gibt ihm nicht das Werkzeug, es in seinem eigenen Leben umzusetzen. Die Inspiration kann (!) hier als initiativer Moment dienen, doch die wahren Hürden kommen noch. Inspiration kann weder Motivation noch Gewohnheiten tragen.

    (2) Inpiration ist positiv konnotiert. Inspirational Videos werden gehyped. Doch Inspiration muss nicht zwangsläufig gut sein. Man kann auch von etwas Destruktivem beseelt sein. Jemand der inspiriert wird, projiziert letztlich immer sich selbst und seine Bedürfnisse auf das Inspirierende. Etwas in mir drin inspiriert mich eigentlich, und nicht Jocko Willink. Jocko Willink triggert nur etwas in mir – etwas emotional Bedeutsames. Sagen wir z.B., er triggert in mir den Wunsch danach, ein disziplinierter und starker Krieger zu sein und ein harter Mann. Das hat emotionale Bedeutung: Disziplin bedeutet Fleiß und Selbstwert und i.d.R. Erfolg; Stärke und Männlichkeit sind wichtig für mein Selbstbild. Nun müsste eine Ablösung von Jocko Willink stattfinden, sonst verliere ich mich. Klar, ich kann dann sein Buch kaufen, alle seine Podcasts hören, mir „Discipline Equals Freedom“ tätowieren lassen und seinen Tee saufen, aber dann ist es schlechte Inspiration. Klar kann ich dann um 0430 trainieren usw. Aber dann lebe ich erstens Jocko Willinks Leben und nicht meins, und zweitens ist das von ihm präsentierte ja nur das halbe Bild – sozusagen das, was sexy ist. Wie die Uhr jeden Morgen oder der Schweiß unter der Hantelstange. Es ist nur das halbe Bild. Ich bin inspiriert von meinem Bild von Jocko Willink, dem Bild eines immer nur trainierenden, immer nur disziplinierten Mannes. Ausruhen? Nein: Get After It – all day every day. Das ist destruktiv. Um das ganze Bild zu erhalten müsste man Jocko einen Monat jeden Tag begleiten. Propaganda, Werbung, Internet, soziale Medien – all das bietet Raum für schlechte Inspiration. Nicht grundsätzlich, aber immer öfter. Junk Food.

    (3) Gute Inspiration bedeutet eben nicht nachmachen oder auch haben wollen, sondern den Samen eines fremden Geistes im eigenen Leben pflanzen. Es bedeutet, einen Funken Energie von außen nutzen, um das eigene Feuer zu entfachen. Sie ist nur authentisch, wenn ich reflektiert habe, warum mich das emotional bewegt, und dann, wie ich dies selbst umsetzen kann. Z.B. muss ich mich nach einem Video von Jocko Willink fragen, was Männlichkeit und Stärke für mich bedeutet, ganz unabhängig von Jocko. Oder wie ich in meinem eigenen Beruf erfolgreich werden kann.

    Von etwas beseelt zu sein – inspiriert zu sein, ohne sich selbst zu verlieren, kann nur stattfinden, wenn gute und authentische Inspiration vorliegt, deren emotionale Beweggründe reflektiert sind. „Echte“ Inspiration ist so selten wie echtes Denken. Meist argumentieren wir gegen Strohmänner, um uns nicht ändern zu müssen oder aus Faulheit. Und meist ist Inspiration flach und unreflektiert.

    Reply
  7. Erik at |

    Ohne meine Gedanken zu Ende zu spinnen drehen sie sich bei diesem Thema spontan um die Bedeutung der Inspiration, was Inspiration eigentlich ist. Das Gedankenspiel Sich-Darin-Zu-Verlieren-Ohne-Sich-Zu-Verlieren ist an dem Punkt für mich persönlich zu früh gedacht und bedingt sich für mein Verständnis gar nicht mit alleinigen Auftreten einer Inspiration. Doch dazu am Ende noch was.

    Höre ich Inspiration denke ich also an die Erfahrung eines berauschendes Gefühls, biologisch/ hirnstoffwechseltechnisch. Geistig ist die Inspiration das akute Wahrnehmen/ Erspüren eines möglichen Potentials. Ein Match zwischen uns und unserer Neigung, aus dem ein neuer Trieb herauswachsen, ein für uns (gefühlt) höheres Niveau erreicht werden kann. Deshalb bedeutet sie für uns in genau diesem Augenblick oft die Welt.

    Inspiration (mit der oben genannten Symptomatik) kommt für mein Verständnis von Innen, ich hab das Bild von einem Lichtbogen zwischen UNS und DEM wo wir hinstreben, eine interne Reaktion die in einem geschlossenen System, also nur in uns, passiert. Ein sprichwörtlicher Geistesblitz passiert UNSEREM Kopf (ein Anderer wird dadurch nicht erhellt).

    Ein anderer Mensch inspiriert/ beseelt uns im Umkehrschluss also auch nicht, er gibt uns, wenn es zu unserer Gedankenwelt gerade passt, allenfalls ein Werkzeug, einen Anstoß; Bestenfalls kann das Handeln oder ein interessanter Gedankengang des Jenigen (von dem wir uns ‚inspiriert’ fühlen) wie ein Katalysator wirken. Der Katalysator beschleunigt dann die Reaktion, den Zeitraum indem wir eine Inspiration erfahren.

    Ein Anderer kann uns mit seinen Gedankengängen/ seinem Handeln deshalb auch nicht schaden. Das passt ein bisschen zur obigen Fragestellung zum Sich-Darin-Zu-Verlieren-Ohne-Sich-Zu-Verlieren-Gedankenspiel.

    Dazu fiel in einem Post das Beispiel des Tötenwollens..Krasses Beispiel. Sollten wir UNS als Ergebnis der ‚Inspiration‘ durch einen Anderen darin VERLIEREN und tötenwollen, lag es nicht an der ‚Beseelung’ durch den Anderen, sondern an dem ‚Wecken’ eines immanenten, in uns wohnenden Zustandes, eines möglicherweise unbewußten Gedankenspiels. Praktisches Beispiel: Schizophrenie kann eine Folge aus dem Konsum von Marihuana sein. Stimmt. Aber nicht, weil Marihuana die Krankheit ursächlich auslöst, sondern weil Marihuana die Disposition ‚wecken‘/auslösen kann.

    Was bedeutet unsere Inspiration noch einmal für Andere? NICHTS.

    Der von uns/ für uns gefühlte Wert einer Inspiration ist eben nicht allgemein gültig. Der Andere denkt nicht mit unserem Kopf, hat andere Ideale, andere Prioritäten und erfährt damit andere Inspirationen und kann uns schlicht emotional nicht folgen. Er sieht den Geistesblitz wie gesagt nicht..

    Deshalb vermag es der Andere auch nicht uns beseelen..außer er ist der liebe Gott.

    Was der Andere und wir aber sehen, anerkennen und schätzen können ist das Ergebnis aus der Inspiration, die Formulierung eines Gedankenganges oder das Resultat einer Handlung. Der Andere und Wir vermögen erst eine IDEE zu ERKENNEN bzw. ANZUERKENNEN, vorausgesetzt wir teilen eine ähnliche Neigung.

    Die IDEE ist INSPIRATION + GEDANKENLEISTUNG. Jetzt beginnt der Wert (der Idee) möglicherweise allgemeingültig und auch für Andere verwertbar zu werden.

    Zum Schluß, Inspiration allein trägt uns nicht, sondern sie ist ein Potential das wir nutzen, ausbauen oder wenigstens ausprobieren können. Der Zeitpunkt des Uns-Tragens entsteht während unserer Suche nach Erkenntnissen, während unserer unsere Bemühung, während wir das Thema ausarbeiten.

    Vielleicht bin ich gedanklich weit vom Thema abgeschweift, aber ich freue mich mir selbst heute die Zeit genommen zu haben mir Gedanken zu machen. Danke für die interessante Themenstellung!

    Reply
  8. Johannes at |

    Mich würde mal interessieren, wie stark die Leser deines Blogs sich von dir inspiriert fühlen würden, wenn du körperlich nicht so stark/muskulös/leistungsfähig wärst.

    Skin in the Game ist ein extrem wichtiger Faktor von echter Inspiration.

    Reply
    1. Felix at |

      Saschas Muskelhaufen beeindruckt mich zwar weil ich weiß, wie viel Arbeit in so etwas steckt. Wäre er ein Hungerhaken, würde das den Wert seiner philosophischen Texte für mich nicht mindern. Beethoven hatte ja auch keine besonders dicken Muckis und inspiriert trotzdem bis heute. Beschränken wir das auf das gleiche Thema, so wie du das vermutlich meinst: Zum Training inspiriert mich nicht Saschas Muskelberg. Sondern der Geist, der Spirit. Uns inspiriert doch auch der schmächtige Mann, der mit dem Krafttraining beginnt, nachdem er 40 Jahre ungesund gelebt hat. Uns inspiriert die Geschichte. Vielleicht noch mehr als das sichtbare Ergebnis. Vielleicht auch, weil es die Menschlichkeit zeigt. Siehe Paul Potts. Für mich hat das nichts mit „skin in the game“ zu tun.

  9. Johannes at |

    Für mich würde es den Wert Saschas philosophischer Texte ebenfalls nicht mindern, wenn er ein Hungerhaken wäre, wohl aber den Wert seiner Trainings- und Ernährungsratschläge. Gleiches gälte aber für die philosophischen Texte, wenn er nicht entsprechend handeln würde.

    Der Vergleich zu Beethoven hinkt für mich etwas. Beethoven hat schließlich nicht über Ernährung, Bewegung und Lebenswandel geschrieben, sondern Musik komponiert. Ein passender Vergleich wäre doch eher, wenn Beethoven über Musik geschrieben hätte, aber selber nichts komponiert hätte.

    Ich stimme dir aber zu, dass Inspiration durch den Spirit und die Geschichte entsteht. Nur, verstehe ich dich richtig: Zum Training inspiriert dich nicht Saschas Muskelberg, sondern der Spirit der von ihm ausgeht? Wäre dieser Spirit also auch ohne Muskelberg der selbe für dich?

    Reply
    1. Felix at |

      Deine Frage beantworte ich mit dem Hinweis vorab: Saschas Muskelberg inspiriert mich in keiner Weise zum Training. Sein Spirit, ich schreibe lieber Geist, wäre mit weniger Muskeln der gleiche, ja. Bruce Lee beeindruckt mich nicht minder – wobei auch der ein schlechtes Beispiel ist, weil er unfassbar hart trainiert hat. Die Essenz dieses Geistes ist für mich eben nicht das Ergebnis, sondern die Entscheidung mit der folgenden Konsequenz. Wenn jemand es also mit aller Kraft versucht und trotzdem scheitert, dann ist es für mich trotzdem der gleiche Geist. Der Untschied? Der Erfolg findet seinen Lohn im Ruhm, welcher ihm zu höherer Sichtbarkeit verhilft. Wie viele Paul Potts gibt es auf der Welt, die niemals diese Chance hatten? Unzählige. Und jedesmal wenn ich einen sehe, inspiriert er mich. (Da nur zur Sichtbarkeit). Und das zum Hungerhaken vs Muskelberg: Wenn nun einer nur einen Arm hat und damit Vollgas gibt beim Klavierspielen, dann kann er trotz jeder Mühe nicht mit den Großen mithalten. Und trotzdem inspiriert er mich. Denn der Geist ist der gleiche.

  10. Kai at |

    Ich bin da bei Felix und erweitere um einen Gedanken: Auch die Lehre selbst kann (mich) inspirieren: Der dicke Trainer oder für sich selbst gescheiterte Lehrer, der 50 Menschen nachweislich zu einem besseren Leben verholfen hat, inspiriert mich nicht wegen seiner eigenen Fettleibigkeit oder Lebensunfähigkeit, sondern durch sein bewiesenes Talent geholfen zu haben und das was ich darin sehe: Menschliche Wärme, die Fähigkeit zur Didaktik und Weisheit und den Beweis, dass er oder sie in der Lage ist andere zu erreichen. Es tut mir für diese Menschen dann eher leid, dass sie das, was sie anderen geben können, nicht selbst zu erreichen vermögen. Hier ist dann der Moment, bei der es um das Thema der Kooperation geht: „Du kannst lehren und hast mir geholfen. Ich helfe dir, weil du dir nicht selbst helfen kannst.“

    Ich sage das, weil ich das „Skin in the game“ – Prinzip im Bereich der Inspiration zu verallgemeinert finde. Ich habe zu oft die Erfahrung gemacht, dass gerade „die schlechtesten Väter die besten Lehrer sind“, um ein Bild zu gebrauchen.

    Im Falle Saschas würde das tatsächlich nicht klappen, weil dort die Lehre und Werte ja das eigene Gelingen mit einschließen.

    Reply

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