10 Reaktionen

  1. Dominique-Nicolas Broser at |

    Vor fünf Tagen habe ich begonnen mich mit diesem Teil meines Lebens zu beschäftigen. Ich merkte, dass ich in Bewegung viel mehr für mich als Mensch an Bedeutung sehen kann und will, als ich mir hätte träumen lassen. Ich mache momentan gar nichts an Bewegung.

    Ich habe aber endlich das Gefühl einen nachhaltigen Weg gefunden zu haben. Ich habe jetzt das „Warum bewegen“ klar gemacht.

    Was ein Timing hier mit genau dem Thema. Ich habe den Artikel gelesen und versucht mich zu fragen : Was bedeutet das für mich ? Ich versuche aus deiner Geschichte zu lernen. Was ich mitgenommen habe ?

    Ich habe Verbindungen zu meinem Versuch der Mannwerdung und meiner Pubertät gezogen. Boxen war auch bei mir das Vehikel, dass ich benutzt habe. Boxen steht aber auch bei mir in Konflikt mit anderen Werten. Ich kann es nicht weiter verfolgen. Ich werde stattdessen diese seelische Herausforderung in meiner neuen Bewegungspraktik suchen und lösen. Ich weiss jetzt wie ich diese Herausforderung anders abbilden kann. Das heisst nicht das ich hier trickse oder es mir einfach mache.

    Ich sehe Bewegung jetzt als meine Chance, mein Selbst (seelisch und körperlich) zu überwinden. Das heißt meine Schwächen zu überkommen und mich selbst zu beherrschen. Und als Chance meine innere Stärke meinem Körper anzugleichen.

    Bewegung muss mir wichtig werden und ich muss es umwerten von energiefressend zu energiespendend. Denn das ist es letztlich.

    Aus deinem Artikel ziehe ich, dass auch ich für mich lernen muss, Schmerzen als Mittel meiner Gesundung zu verstehen. Das ist etwas, was ich sogar als Kind schon instinktiv getan habe. Aber dann habe ich angefangen daran zu leiden. Das werde ich ändern müssen und wollen. Ich werde das ausbilden, wenn ich versuche meine Kapazitäten zu erweitern.

    Ich glaube das ich beides verfolgen sollte, Komplexität und Kapazität jeweils aus zwei unterschiedlichen Gründen. Ich denke, dass mir beide Quellen der Inspiration helfen, an jeweils unterschiedlichen Seiten meiner Persönlichkeit und meines Körpers zu arbeiten. Es ist ja keine Entweder-Oder.

    Aber beim Verfolgen von Komplexität werde ich Vorsicht walten lassen, mich in Geduld und Ruhe üben, Mobilisierung als Teil des Weges wertschätzen und mich nicht in Verletzung und Frust zu verlieren. Hier werde ich keine Intensität (Schmerz) suchen. Auch das Beherrschen von komplexen Bewegungen habe ich früher schon versucht. Das werde ich ebenfalls wieder aufnehmen . Hier wird mir die Körperkontrolle einen wichtigen Aspekt meiner Selbstsicherheit und Kontrolle bieten. Ich sehe die Gelegenheit alte schlechte Erfahrungen, meine wahrgenommene Ungeschicklichkeit, aufzulösen.

    Beide Ansätze geben mir Anschluss an meine Vergangenheit und die Chance an meiner Persönlichkeit zu arbeiten.

    Ich werde mich noch damit auseinandersetzen, was ich in der Pubertät über mich gelernt habe. Ich werde mich noch damit auseinandersetzen, welche Glaubenssätze mir noch im Weg stehen beim Ausüben meiner Bewegungspraktik.

    Ich werde noch beweisen müssen, dass ich nicht nur reden kann. Bis jetzt war ich der Theoretiker. Hoffentlich schaffe ich es mein Verhältnis zu Schmerz zu erlangen.

    Fazit: Wenn ich diese Chance nicht ergreife, zieht der Zug (das Leben) an mir vorbei.

    Ich weiß nicht, ob mein Kommentar hier irgendjemand weiterhelfen kann. Ich gebe mir zumindest Mühe ihn verständlich und leserlich zu halten. Mir hilft das Schreiben mir Klarheit zu verschaffen. Vielleicht zeigt mein kleines Kommentar, dass das hier alles Andere als abgedrehter Scheiß ist.

    Danke das du deine Erfahrung mit Anderen teilst. Hoffentlich lerne ich daraus und schaffe es zwei Seiten einer Trainingsmentalität auszuprägen. Ich kann deinen letzten Satz nur bestätigen.

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    1. Sascha Fast at |

      Danke für den Kommentar. Wenn man deinen Kommentar aufmerksam liest, findet man jede Menge, um zu lernen.

  2. Erik Pfeiffer at |

    Für mich ist fernöstliche Bewegung wie Tai Chi und auch was die Shaolin machen, Inspiration. Ein paar Bewegungen davon mache ich morgens in der Sonne, und es spendet mir unglaublich viel Energie, sowohl körperlich als auch mental. Es ist Bewegung, die mich bewegt und das Spirituelle auf die körperliche Ebene bringt, es mir möglich macht, Meditationsfortschritte zu verkörpern und zu materialisieren. Es ist für mich etwas, was in der Bewegung Wohlgefühl auslöst (im gegensatz zu Krafttraining akuten (Muskel-)Schmerz). Hier möchte ich noch mehr lernen. Auch das Energie spenden ist anders als beim Krafttraining.

    Krafttraining ist für mich keine Inspiration, sondern zielt auf Erweiterung/Erhalt der körperlichen Kapazität und Ausgleich, und ich sehe darin nur einen geringen spirituellen/energetischen Wert. Es hat mehr etwas utiliaristisches. Trotzdem versuche ich sie so bewusst wie möglich durchzuführen. Für mich liegt aber auch Freude in einem gewissen dumpfen, auf eine schöne Weise stumpfen Abspulen, Höhlenmensch-mäßig die Langhantel und Gewichte bewegen, wo ich den Kopf ausschalten kann und mich dadurch mental erhole. Hier reizt mich auch das Standardisierte, in jedem Training dadurch eine minimalen messbaren Fortschritt zu machen, der sich konstant über die Zeit aufsammelt. Es ist etwas, was mir Sicherheit gibt, weil es verlässlich und gut vorhersagbar ist.

    Crossfitähnliche Belastungen laugen mich eher aus und sie meide ich, wenn es mir nicht noch einen zusätzlichen Nutzen bringt wie beim Fußball spielen, was ich im Sommer mache (hier kommt eine tiefe Freude dazu). Die gleichen Techniken in immer leicht veränderten Situationen, unter Ermüdung, Zeitdruck etc. und dazu noch in einem taktischen Sinn eingebettet, das macht für mich einen großen Reiz aus.

    Mobilität investiere ich keine besonderen Anstrengungen, sondern nur wenn ich körperliche Beschwerden habe. Ich versuche ein absolutes Basis-Minimum mit ganz obigem zu synthetisieren.

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    1. Sascha Fast at |

      Moin Erik,

      du hast Bewegung im Sinne einer Verwertungslogik beschrieben. Aber wie drückt sich deine Identität in Bewegung aus?

      Viele Grüße Sascha

  3. Erik Pfeiffer at |

    Danke für die Rückfrage Sascha.

    In Krafttraining drückt sich mein starker Antrieb zur Weiterentwicklung, zum Vorankommen aus, und stark zu sein, aber auch mein Hang, alles zu kontrollieren (weil es sehr standardisiert ist). Mit den Morgenbewegungen kommt mehr meine weiblichere, (mit-)fühlende Seite zum Vorschein, und das Bedürfnis zu Harmonie und Ordnung, Verbindung zur Natur und dem großen Ganzen, einem akuten Wohlbefinden und einer schönen Bewegung. In der Sportart Fußball drückt sich mein Wunsch aus, Abenteuer zu erleben, Kampf aber auch Zusammenhalt und ein gemeinsames Ziel.

    Ist das eine treffende Reflektion auf die Frage am Ende? Besten Gruß, Erik

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Puh, ich weiß nicht, ob ich vernünftigerweise Ja oder Nein antworten kann. Ich würde nicht so antworten, weil ich versuche meine Antwort zu gestalten, dass sie im Grunde die maslowsche Pyramide von unten nach oben durchdringt. Du hast jetzt verschiedene Aspekte deiner Persönlichkeit genannt.

      Bei Reflexionen kommt es für mich darauf an, wie handlungswirksam das Ergebnis dann ist. Ich würde nicht so über meine Bewegungspraktik reflektieren, wenn sich dann sowieso nichts ändert. Aber auch nach dem Entschluss soll die Reflexion wirksam sein. Meine Überlegungen helfen mir dabei, zu entscheiden, was zu tun ist. Wenn das bei dir der Fall ist, hast du auf Fall das Ziel erreicht, dass ich als Ziel von Reflexion betrachte.

  4. Ernst at |

    Wirklich toller Artikel, der mir aus der Seele spricht. Bei mir war es genauso – nur dass ich weniger Schmerz als solchen gesucht habe, sondern die Angst. Mein Weg war immer da, wo die Angst war.

    Auch bei mir führte der Weg über körperliche Unterlegenheit in der Schule, ich wusste früh: entweder du tust was, oder du bleibst ewig Unterlegener. Ich hatte leider keinen starken Vater als Vorbild. Deswegen suchte ich mir andere Männer.

    Die Bewegung, die meine Identität ausdrückt, ist das Kreuzheben. Einfach nur der reine Kampf mit der Schwerkraft. Ich ringe mit dem, was mich nach unten zieht, bis ich es leicht ertragen kann.

    Heute bin ich der Meinung, dass beherztes Kreuzheben für sicher 80 Prozent meiner 30 kg aufgebauten Muskulatur (binnen 14 Jahren) verantwortlich ist.

    Ich habe es allerdings nie so gesehen, dass ich „mich finden“ muss … ich musste mich erschaffen, wie ich sein wollte. Und das ist mir so gut geglückt, dass ich mehr erreicht habe, als jemals zu träumen wagte.

    Nur die Arme könnten dicker sein :D

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Boah, vielen Dank für die Erinnerungen, dass ich mich mit dem Unterschied zwischen Selbstfindung und Selbstschaffung beschäftigen muss. Für mich ein ganz wichtiger Perspektivunterschied.

      Viele Grüße Sascha

  5. Ernst at |

    Selbstfindung war mir immer zu passiv – wie soll ich etwas finden, wenn ich noch gar nichts bin? Je jünger man ist, je weniger Lebenserfahrung und Bildung man hat, umso gefährdeter ist man, daraus einen reinen Ego-Trip zu machen und sich ganz einfach Dinge einzureden, die einen angeblich zu etwas ganz Besonderem machen. (Mal davon abgesehen, dass man mit dieser Einstellung nie lernt, sich von der Konstruktion „Ich“ zu lösen.)

    Selbstschaffung hingegen hab ich erzielt, indem ich erstmal durch Vergleiche mit Vorbildern und schmerzliche Erfahrungen meine individuellen Mängel und Wünsche analysiert hab. Dann kam das durch Lesen/ Hören begleitete progressive Training aller erwünschten Komponenten – und je nach Talent hab ich mich weiterentwickelt.

    Mir war aber auch klar: Wissen allein nützt nix – egal wieviele schlaue Bücher ich lesen würde, wenn ich weder eine Hantel anfasse, noch mich bewusst in Angstsituationen begebe oder gewisse Dinge einfach teste (und dabei viele Fehler mache), würde ich niemals Fortschritte machen. Wie viele Leute wissen ganz genau, wie man sich gesund ernähren müsste, verbleiben aber ihr ganzes Leben in alten Mustern, weil sie keine Eigenverantwortung übernehmen …

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Gut geschrieben. Das, was ich zu Nick geschrieben habe, geht genau in die Richtung: Erst Können macht Wissen glaubwürdig.

      Viele Grüße Sascha

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