9 Reaktionen

  1. Lude at |

    Sehr schöner Artikel! Vor allem das „Sei wertvoll für andere“ kann ich nur unterstreichen. Das Leben anderer bzw. seiner Umwelt (zumindest zu versuchen) zu verbessern, gibt mir wirklich Antrieb. Wobei man das Verbessern ja immer nur subjektiv bewerten kann. Und sich im Laufe der Zeit die Maßstäbe auch ändenr können.

    Man kann einen hohen Selbstwert aber auch passiv erhalten. Die tatsächlich bedingungslose Liebe der Eltern stellt hierfür ein Beispiel dar.

    Was meinst du mit deiner Kritik am Hedonismus? Verliert man durch das Baden darin den Fokus auf andere Menschen? Oder meinst, manche Menschen versuchen durch einen übertriebenen Genuss ihre Selbstliebe zu erhöhen? Wahrscheinlicher scheint es mir doch, dass man viel und gut genießen kann, wenn man über ein hohes Maß an Selbstliebe verfügt.

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    1. Sascha Fast at |

      Als Kind ist das nochmal etwas anderes. Je jünger man ist, desto voraussetzungsloser sollte die Liebe sein. Die Frage ist, was mit Liebe später auch gemeint ist. Strenge ist ein Mittel der Liebe. Der Spruch von Thomas passt 100%ig: „Ich fordere dich, weil ich dich achte.“ Als Eltern zum Kind kann man den Satz umformulieren: „Ich glaube an das Beste in dir.“

      @Hedonismus: Ich habe noch ein ganzes Buch (kommt nach der Morgenroutine) über das Thema. :) Hedonismus heißt, dass man seine eigene Lustfähigkeit ausnutzt. Ich habe einen guten Spruch aus christlicher Sicht: „Pornographie verbraucht den erotischen Reiz.“ Das passiert, wenn man nach Lust sucht, ohne sich zu transformieren.

      Das Thema ist aber so schwierig, dass ich schon einige zehntausend Worte darüber geschrieben habe. Es ist nicht der Genuss, der das Leben gut macht, es ist die Bedeutung. Ob Genuss oder nicht.

  2. Thomas at |

    Ich finde diesen Blogeintrag sehr gut und kann mir vorstellen, dass er auf viele Leser eine nachhaltige Wirkung hat.

    Die Überzeugung und die Herangehensweise, dass man sich selbst so behandeln soll, wie eine Person, der man zur Hilfe verpflichtet ist, kann zu wichtigen Entscheidungen führen. Vielleicht kann man diese Denkweise noch stärker auf sich selbst beziehen, wenn man ein Kinderfoto von sich betrachtet, und sich darüber klar wird, was man diesem kleinen Jungen/Mädchen schuldig ist. Wenn ich Fotos von mir mit 4-5 Jahren anschaue denke ich oft für mich: „Hey, dieser kleine unschuldige Junge, dass bin ich, mit all meinem Potential! Könnte ich in die Vergangenheit reisen würde ich ihm sofort sagen, tue dies und jenes nicht, fälle hier und dort eine andere Entscheidung.“ Da dies nicht geht, ist das Mindeste was ich tun kann, jetzt die Verantwortung wahrzunehmen. Mein Potentielles zukünftiges Ich, das kurz vor dem Tode steht, wäre bestimmt damit einverstanden.

    In meinen Augen beschreibst du, Sascha, eine „Leistungsethik“ und dies erinnert mich oft an das Erziehungsprinzip des sowjetischen Pädagogen und Schriftstellers Anton Semjonowitsch Makarenko. „Ich fordere Dich, weil ich Dich achte“. Für Schüler wie für einem selbst ist in diesem Sinne wichtig, dass man sich in der Zone der proximalen Entwicklung (ZPD) bewegt. Dies weiter auszuführen, würde meiner MEinung nach aber vom Kernthema des Blogeintrags vorbei führen, daher schliesse ich hier und wünsche allen eine möglichst bewusste und produktive Woche.

    Liebe Grüsse Thomas

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    1. Sascha Fast at |

      Du sprichst mir aus der Seele. Welche Literatur kannst du mir zu Makarenko empfehlen?

      Der Teil mit dem Kinderfoto ist in meinem Zettelkasten gelandet. Willst du mit oder ohne Nachnamen referenziert werden?

      Ich bin mir nicht sicher, was in Gänze hinter dem Begriff der Leistungsethik steckt, aber der Begriff scheint mir äußerst passend.

  3. Thomas at |

    Hallo Sascha

    Auf Makarenko bin ich im Zuge meines Lehramtsstudiums gestossen. Leider kann ich dir keine Literatur empfehlen, die ich von/zu ihm gelesen hätte. Allerdings scheint mir „Der Weg ins Leben. Ein pädagogisches Poem“ lohnenswert. Ich schicke dir per E-Mail noch ein PDF, welches ganz kurz Eckdaten und Grundhaltungen von Makarenko beschreibt. Bei Makarenko geht es natürlich vorrangig um Pädagogik, Didaktik oder Erziehung, aber gerade dies sind Aspekte, die für dich als Coach interessant sein könnten – und nicht zu vergessen seine Herkunft :-)

    Bezüglich Referenzierung im Zettelkasten: Nimm Vor-und Nachnahmen; Es ist mir eine Ehre in deinem Zettelkasten zu landen.

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  4. Marius at |

    Hallo Sascha,

    Ich verfolge deine Reise seit einigen Jahren und kann gut nachvollziehen was Dich antreibt. Ich will nicht zuviel schreiben, aber wie Du weisst, zielt jeder Weg, ob der eigene, Yoga oder Taichi letzendlich auf die geistige Entwicklung ab und die zentrale Frage wer bin ich, was ist mein wahres Wesen?

    Ist zwar off-topic, aber ich hatte beim Lesen den spontanen Impuls, Dir folgenden Link zu empfehlen: http://www.bambushalle.de

    Marius

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  5. Inka at |

    Hallo Sascha, danke für den Artikel. Er hat mich sehr inspiriert. Hier ein Teil des Ergebnisses:

    Macht es für dich einen Unterschied ob du dir selbst etwas erlaubst oder verbietest oder ob das jemand anderes tut der glaubt zu wissen was gut für dich ist? Was glaubst du macht letzteres mit deinem Selbstwert, besonders wenn du ein Kind bist? Ab wann ist man deiner Meinung nach kein Kind mehr? Geht das plötzlich oder allmählich und wer entscheidet den Zeitpunkt wenn das kindsein vorbei ist? Wie kann ich, wenn mir als Kind die Verantwortung für mich selbst abgenommen wird (bspw keine Süßigkeiten), irgendwann Selbstverantwortung übernehmen?

    „Ich fordere dich weil ich dich achte“ gefällt mir sehr, ich formuliere es für mich so um: „ich traue dir zu meine Wahrheit zu ertragen“. Ich traue aber den wenigsten Menschen zu, dieses Konzept nicht missbräuchlich zu verwenden, besonders nicht bei den eigenen Kindern. Darum möchte ich das zumindest kommentieren. Die meisten Erwachsenen werden erst wenn sie Kinder haben mit der eigenen Kindheit konfrontiert und allem was (stärkere/mächtigere) Erwachsene mit ihnen gemacht haben (oder nicht gemacht haben). Setzt man sich nicht aktiv mit diesen Begebenheiten auseinander ist es sehr wahrscheinlich, dass man ähnliche Muster an die eigenen Kinder weitergibt (siehe zB A. Miller, https://www.alice-miller.com/de/wir-konnen-die-ursachen-fur-unser-leiden-finden/). „Strenge ist ein Mittel der Liebe“ Damit kann man alles rechtfertigen, besonders eigene Unbewusstheit Kindern gegenüber. Mit Wissen um die Verletzungen aus der eigenen Kindheit bräuchte man es nicht mehr „Strenge“ nennen sondern „eigene Integrität“. Oder verstehe ich es falsch?

    Ist nicht der Grund mich wertvoll zu behandeln schon Selbstliebe? Man könnte das von beiden Seiten angehen. Entweder ich liebe mich einfach so weil ich bin und behandle mich deshalb als wäre ich liebenswert was dazu führt dass ich mich selbst liebe, oder ich entscheide mich, mich so zu behandeln als wäre ich liebenswert was dazu führt dass ich mich selbst liebe. Aber ja, es gibt keinen Trick, so oder so nicht.

    „Sei für andere wertvoll“ könnte man allerdings als Trick benutzen (der nicht funktioniert). Ich meine zu wissen das du es nicht so meinst, finde es aber auch wichtig zu kommentieren. Viele Menschen beziehen Selbstwert erst daraus, anderen zu helfen. Sie übergehen damit oft eigene Bedürfnisse (die zu erfüllen Selbstliebe wäre) um nicht als egoistisch betrachtet zu werden. (Das Ergebnis hiervon ist allerdings Egoismus, nur eben versteckt). Das begegnet mir öfter als anders herum. Ich habe auch den Eindruck dass das in der heutigen Gesellschaft immer noch viel stärker verbreitet ist und gefordert wird. Bin ich dagegen „egoistisch“, spüre und erfülle meine Bedürfnisse, bin ich automatisch auch wertvoll für andere.

    Soweit erstmal. Liebe Grüße, Inka

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    1. Sascha Fast at |

      @Erwachsensein: Es gibt eine einfache Definition für das Erwachsenwerden: Wenn eine andere Person wichtiger ist als man selbst, ist man erwachsen. Die finde ich ziemlich gut und trifft genau den Kern, um den es bei Reife geht: Verantwortung. Aber eine klare Grenze gibt es eigentlich nicht. Kann es ja auch nicht geben, wenn man das Problem für sich selbst lösen will. Wir erleben uns selbst schließlich als eine Art Kontinuum über die Zeit. Da gibt es keine klaren Grenzen. Wohl das heißt aber nicht, dass keine klaren Fälle möglich sind. Heute bin ich erwachsen. Noch vor 20 Jahren war ich ein Kind.

      @Tricks: Das scheint sich als Thema bei dir durchzuziehen. Das Problem bei solchen Begriffen ist, dass man problemlos Sprachspiele spielen kann. „Ist es nicht schon XY?“ ist ein Hinweis auf so ein Sprachspiel. Damit richtet man sich an unsere Intuition und die kann man zweifellos austricksen. Jemand mit einem Helferkomplex hat sich beispielsweise (wahrscheinlich aus Versehen) in eine Sackgasse hineingetrickst. Er hat so getan, als wäre er altruistisch, versucht aber einen eigenen Mangel zu beheben. So klappt das natürlich nicht.

      Ein Trick erkennt man daran, dass er nicht funktioniert. Würde er funktionieren, wäre er kein Trick. Es geht dabei um die Realität. Deswegen funktioniert ein Zaubertrick nur als Illusion. Das können wir eben am Helferkomplex erkennen: Ein solcher Mensch verzaubert sich selbst durch eine Illusion.

      Das große Problem ist natürlich, dass man keine Ahnung hat, ob man sich selbst austrickst. Aber es gibt hilfreiche Kriterien, die im Handeln stecken. Trifft das theoretische Wissen in der Praxis zu? (Skin in the Game von Nassim Taleb ist ein fantastisches Buch dazu)

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