Die ketogene Ernährung

Die Effekte des Fastens und der ketogenen Ernährung sind einander in vielen Punkten ähnlich. Daher macht es wenig Sinn den Begriff einer ketogenen Ernährung für eine kohlenhydratarme und fettreiche Kost zu reservieren.

Ich schlage hier folgende Definition vor:

  1. Ziel einer ketogenen Ernährung ist einen Zustand der Ketose zu erreichen. Das heißt eine deutliche Erhöhung der Ketonkörperkonzentration im Blut.
  2. Die Mittel diese zu erreichen sind: Fasten, eine fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung und Konsum von mittelkettigen Fettsäuren

Der „Trick“ dieser Definition ist es Zweck und Mittel voneinander zu unterscheiden. Was man üblicher Weise mit jedem dieser verschiedenen Mittel versucht zu erreichen ist eine Verstärkung der Ketonkörperproduktion (nicht nur).

Nur die körperlichen Mechanismen unterscheiden sich, wenn man versucht zu erklären, warum hier die Ketonkörperproduktion erhöht ist.

  • Eine fettreiche, kohlenhydratarme Kost erhöht die Verfügbarkeit von Fettsäuren, die in der Leber dann im Überfluss und unter Mangel von Kohlenhydraten teilweise zu Ketonkörpern umgebaut werden.
  • Fasten zwingt den Körper, die eigenen Fettreserven zu mobilisieren. Weil die Glykogenreserven der Leber relativ schnell aufgebraucht sind, befindet sie sich hier in einer ähnlichen Situation, wie bei einer kohlenhydratarmen und fettreichen Kost. Sie muss viel Fett verstoffwechseln und hat aber wenig Kohlenhydrate zur Verfügung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie einen Teil der Fettsäuren als Ketonkörper in den Blutstrom zur weiteren Verstoffwechselung gibt.
  • Mittelkettige Fettsäuren werden anders verstoffwechselt als langkettige Fettsäuren. Sie werden direkt über die Leberpfortader an die Leber weitergegeben und werden nicht eingelagert. So werden sie direkt verstoffwechselt und entsprechen wird so wieder ein Zustand eines Fettüberschusses im Verhältnis zu den verfügbaren Kohlenhydraten geschaffen.

Wie man sieht, sind es verschiedene Mechanismen, die man sich zu Nutze macht um seine Leber dazuzubringen vermehrt Ketonkörper zu produzieren.

Wenn man eine ketogene Ernährung unter diesem Gesichtspunkt ansieht, ist deutlich: Viele Wege führen nach Rom. Man kann sogar die drei Möglichkeiten miteinander verbinden, wenn man noch tiefer in den Zustand der Ketose kommen will.


15 Reaktionen

  1. Jan at |

    Moin, planst du in der fertigen Publikation auch auf die Ketoazidose einzugehen?

    MfG

    Jan

    Reply
    1. sfast at |

      Nur wenig. Die Ketoazidose ist eigentlich nur für Diabetiker relevant.

  2. at |

    In welchen Lebensmitteln kommen die mittelkettigen Fette vor? Bisher habe ich keine gefunden.

    Reply
    1. sfast at |

      10% der Milch sind mittelkettig soweit ich weiß. Die großen Moneymaker sind aber die tropischen Pflanzen. Kokosöl und Palmöl. Da hast du richtig massig drin. Alternativ kannst du auch reines MCT-Öl verwenden.

  3. ChristianG at |

    Gibt es einen bevorzugten Zeitpunkt für die Zufuhr von MCT’s? Also z.B. direkt nachdem Aufstehen oder als letzte Mahlzeit des Tages?

    Reply
    1. sfast at |

      Der Zeitpunkt findet immer genau dann statt, wenn du deine Leber zur Ketonkörperproduktion bringen willst. Das können unter anderem folgende Zeitpunkte sein: – Fastenzeitpunkte (direkt nach dem Aufstehen bis zur Ersten Mahlzeit) – Vor dem Schlafen gehen, wenn die letzte Mahlzeit länger her war (Ketonkörper sind eine außergewöhnlich effiziente Energiequelle für das Gehirn)

      Bei der Wirkung muss man auch die sonstige Ernährung in Berücksichtigung ziehen. Der erste Satz ist entscheidend. Immer genau dann, wenn du willst, dass deine Leber einen extra Keto-Schub gibt, dann ist Kokosöl eine gute Wahl.

  4. Robert at |

    Hallo,

    hast du schon mal mit dem Ernährungsansatz von Ray Peat beschäftigt? Falls ja, was hälst du den von seinen Ansichten? Was ich sagen kann ist, dass ich lange low carb + intermittierendes Fasten(leangains und 24 std.) betrieben habe, bis ich ein immer größeres Kältegefühl in den Fingern und Zehen bekam.(deswegen hab ich wieder viel im Netz gesurft bis ich eben auf Ray Peats Artikel gestoßen bin) –> aus meiner Erfahrung raus ist low carb und Fasten auf dauer problematisch was sich mit den Erkenntnissen von Ray Peat deckt.

    Cheerio

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Ich kenne die Grundzüge. Das Problem, was ich mit solchen Standpunkte habe, ist der Kontext, der meist rausfällt.

      Eine LowCarb-Ernährung funktioniert bei 5000kcal völlig anders als bei 2000kcal. Der Vorwurf der LowCarb beständig gemacht wird, ist ja alles, was mit Herunterregulierung zu tun hat. Als ich mich VLC ernährt habe, bei einmal pro Woche am Sonntag etwas mehr Carbs und zwei Tagen der Woche No Carb (<10g) bin ich im Winter mit kurzer Hose und ohne Jacke unterwegs gewesen. Selbst da hatte ich noch warme Hände.

      Für jemanden, der nicht fatadapted ist, sich weniger bewegt und entsprechend weniger Nahrung zu sich nehmen kann, ohne Körperfett zuzulegen sieht das ganze natürlich anders aus. Jemand, der dessen Fettstoffwechsel schlecht ist, hat bei einer geringen Carb-Zufuhr schnell Probleme.

      Ich schließe mich da Paul Chek an. LowCarb, HighCarb, Fleisch oder Vegi. Das sind Ernährungsformen, die man auf täglicher Basis neu entscheiden sollte. Das wollte ich mit Susannes Beispiel demonstrieren.

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  1. at |

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