21 Reaktionen

  1. at |

    Danke für diesen Beitrag, Sascha! Wenn die Leute so unreflektiert propagieren, sie wollten sie so ernähren wie die Menschen vor 10.000 Jahren, dann kriege ich jedes Mal Blutdruck.

    Warum sie das machen wollen, wo sie doch weder die damalige Umweltbedingungen noch den Sippenverbund noch die berufliche Tätigkeit von damals haben, hat sich mir nie erschlossen. Ich würde auch gerne mal (für drei Wochen und nur im Sommer) durch menschenleere, unberührte, ursprüngliche und unbelastete Natur streifen und alle beruflichen Verpflichtungen wie auch gesellschaftlichen Zwänge hinter mir lassen. Die gibt’s bloß halt nicht mehr und ich bin froh über meine Wohnung, meinen Kühlschrank, meinen Zahnarzt.

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  2. Erik at |

    Mal wieder richtig guter Artikel. Dein Blog gefällt mir mittlerweile sehr!

    Artgerecht im Sinne von was unsere Art evolutionär am fittesten gemacht hat, ist die Getreideernährung. Doch das ist ja etwas sehr abstraktes, wovon das Individuum nichts mitbekommt und auch wenig interessiert. In deiner Definition ist das ja alles sehr quantitativ aber es geht ja mehr um die Qualität im Leben.

    Das Individuum fährt glaube ich mit einem individuumgerechten Lifestyle, was definitiv sehr in richtung Steinzeit-Lebensart geht, sehr gut. Der Begriff individuengerechte Ernährung ist wirklich gut!

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  3. at |

    Der Beitrag gefällt mir auch sehr gut.

    Was bedeutet es für dich, wenn die Steinzeiternährung nicht optimal ist? Das schöne Gefühl richtig zu liegen, weil ich denke die Steinzeiternährung ist nicht automatisch optimal.

    Welche weiteren Schwächen siehst du in der Steinzeiternährung? Ich habe mich nicht ausgiebig mit dem Konzept erfasst um viele Fehler aufzudecken.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      @Christine: Mich wundert, dass die Leute die Bedingungen unter denen die Steinzeiternährung stattfand nicht automatisch mitberücksichtigen. Das Argument hinter der Steinzeiternährung manifestiert sich noch stärker für das intermittierende Fasten, aber auch für Training/Bewegung, Meditation und viele Dinge mehr. Vielleicht sind diese Dinge einfach nicht sexy genug. :)

      @Erik: Das sage ich denjenigen, welche die Steinzeiternährung unter dem evolutionären Aspekt kritisieren auch immer. Klar, ist Ackerbau und Getreide evolutionär (vorläufig) erfolgreicher. Aber will man wirklich die Kosten der Selektion übernehmen, damit die Art Mensch sich weiter an Getreide anpassen kann?

      @Norman: „Das schöne Gefühl richtig zu liegen.“… :D

  4. Carsten at |

    Der Erfolg der Steinzeiternährung beruht in meinen Augen auf dem auf den ersten Blick sinnvoll wirkenden Gesamtbild.

    Letztlich sind wir hier im Kreis des Blogs auf der Suche nach dem optimalen Treibstoff (allgemein für den Menschen, und darauf aufbauend für jeden einzelnen), um dauerhaft die bestmögliche geistige und körperliche Leistungsfähigkeit zu erlangen.

    Die Steinzeiternährung (als Gesamtkonzept) ist es anscheinend auch nicht, also geht die Suche weiter.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      @Carsten: Es ist ohnehin eine lebenslange Suche. :) (Ich denke, dass die Steinzeiternährung der bislang beste Wurf ist)

  5. Thomas Struppe at |

    Hallo Sascha,

    wieder ein sehr guter Beitrag! Gerade weil du immer wieder aus vorgeschriebenen Denkmustern ausbrichst, finde ich deinen Blog so wertvoll.

    Der Artikel kommt für mich persönlich auch sehr passend, denn aktuell sammle ich fleißig Studien, die gegen mein eigenes Behandlungskonzept sprechen, um sie in einem Artikel zu verarbeiten. Ich verspreche mir davon neue Denkanstöße, um ebenfalls ein kritischer Mensch zu bleiben.

    Was die Steinzeiternährung betrifft, so ist sie für mich nichts anderes als ein Konzept, welches gute Ansätze bietet. Sie ist für viele Erkrankungen, aber auch die Steigerung des Wohlbefindens allgemein ein guter Startpunkt. Dann kommen aber sehr individuelle Sachen ins Spiel: Enzyme bzgl. Stärke- und Fettverwertung, Intoleranzen, Mikrobiom (hoher Fettgehalt in der Nahrung scheint mit „intaktem“(?) Mikrobiom unproblematisch … bei den meisten Menschen sieht es aber anders aus – Diversität) samt Dysbiosen etc. Man kann die menschliche Ernährung nicht in ein Korsett aus Makronährstoffen packen und von artgerechter oder „gesündester“ Ernährung sprechen.

    Der beste Tipp um mehr „Steinzeit“ zu essen ist: Mehr unterschiedliche Pflanzen zu sich zu nehmen, egal ob man nun Getreide, Milch und Co. verzehrt oder nicht.

    Liebe Grüße Thomas

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      @Thomas: An der Individualisierung leider viele.

      Deine Aspekte sind ja schon richtig Highend, was für Erkrankte oder sehr Belastete besonders relevant ist. Viele ändern ihre Ernährung nicht einmal wesentlich von Training zu Nichttrainingstagen.

  6. at |

    Exzellent, Sascha.

    Hast du dir mal die Arbeit von Jared Diamond angeschaut? Sehr fesselnd geschrieben und wirft ein interessantes Licht auf die vielen verschiedenen Vorstellungen, die vielerorts von der damaligen Ernährung herrschen.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Hallo Felix,

      danke für die netten Worte.

      Jetzt tun sich bei mir natürlich Abgründe meiner fehlerhaften Allgemeinbildung auf. Jared Diamond steht schon seit längerem auf meiner Leseliste (aus anderen Gründen), ich bin momentan aber nur noch irgendwelchen biochemischen Kram am lesen. (Work-Life-Balance? :) )

      Welches Buch von ihm empfiehlst du mir zu diesem Thema?

      Viele Grüße
      Sascha

    2. at |

      Ich habe mit „Guns, Germs & Steel“ angefangen und sitze jetzt am Vorgänger „The Third Chimpanzee“.

      Bisher hat sich jede Lesesekunde gelohnt. Nicht nur sind die Informationen als solche spannend, sondern es ist einfach klasse geschrieben und seine Methodik und Vorgehensweise ist umwerfend. Sehr, sehr lehrreich und wie ich finde äußerst anwendbar im täglichen Leben und für das Verständnis der Welt und Weltgeschichte.

    3. Sascha Fast at |

      Vielen Dank für die Tipps. Ich denke, ich werde mit Third Chimpanzee anfangen.

  7. Sven Rohark at |

    Interessant. Der Blick auf die Evolution ist meiner Meinung nach aus dieser Sicht aber zu kurz gefasst. Letztendlich muss man aus dieser Sicht sich erst einmal fragen. Was man mit Evolution meint – was man aus evolutionär Vorteilhaft definiert. (In meinem Buch „Die Rohkostrevolution“ habe ich zum Thema Evolution ein eigens Kapitel.)

    Ernährung beeinflusst den Menschen, und viele andere Dinge – nur durch sein grosses Gehirn ist das möglich. Auch neuartige Krankheiten usw. Langfristig stellt sich da natürlich die entscheidende Frage: Ist das grosse Gehirn aus evolutionärer Sicht wirklich vorteilhaft?

    Wenn nächstes Jahr durch Atomwaffen die Menschheit aussterben würde, wäre der Mensch da ein Erfolgsmodel gewesen?

    Der Neandertaler hat 250.000 Jahre existiert. Der Moderne Mensch muss diese 250.000 Jahre erst mal erreichen. Keine Ahnung ob da nun der Bypass als evolutionerer Erfolg gewertet werden kann. Oder die künstliche Insulingabe? Jetzt (seit 100 Jahren) haben 70-90 % der Indianer (Nordamerika) und Eskimo Diabetes. Klar können die weiter leben, dank diesem medizinischen Fortschritt. Letztendlich können diese Menschen damit sich weiter von der Natur und Gesundheit entfernen. Heutzutage haben auch immer mehr Karies, Krebs usw. was das langfristig evolutionsmässig bedeutet, bewirkt, können wir in der Komplexität nicht fassen. Jedes Negative kann ja auch wieder sich ins Gegenteil umwandeln – weil man aus Fehlern lernen kann. Es ist für mich unmöglich zu sagen welche menschliche Handlung aus evolutionärer Sicht auf der Soll – oder Habenseite der Menschheit zu verbuchen ist

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Du sprichst zwei Dinge an:

      1. Bei Erkenntnis ist Irrtum immer möglich. Irrtumsmöglichkeit ist eine notwendige Bedingung für die Möglichkeit von Erkenntnis – sei sie als Begriff oder als Sachverhalt in der Welt zu denken.
      2. Evolutionärer Erfolg ist immer etwas zeitlich Lokales. Sind wir erfolgreicher als die Dinosaurier? Das wäre eine eine schwierige Frage.

      In dem Beitrag habe ich evolutionären Erfolg als Durchsetzungserfolg behandelt. Im direkten Wettkampf bei zeitgleicher Existenz hat sich unsere Kultur gegen Jagen und Sammeln durchgesetzt. Nachhaltigkeit ist etwas anderes Erfolg (was wir in unserer heutigen Wirtschaftsform immer wieder sehen). Nachhaltigkeit ist ein Konzept, dass von uns Menschen (moralisch) als Anspruch angelegt wird.

  8. Philipp at |

    Der Anstoss zum differenzierten Umgang mit diesen Begriffen ist toll. Allerdings finde ich die dargestellte Verknüpfung von evolutionsbiologischen und kulturellen Aspekten nicht sinnvoll. Denn die kulturelle Entwicklung läuft vier Grössenordnungen schneller ab als die evolutionäre, die eine Art biologisch prägt. Der Begriff „kulturgerechte“ Ernährung trifft die heutige und scheint im Artikel eventuell gesucht zu sein, wobei sich die artgerechte nur auf den biologischen Stand bezieht und ich sie deshalb nicht umstossen möchte.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Hallo Philipp,

      • Ich verstehe nicht ganz, warum die Geschwindigkeit der kulturellen Entwicklung die Verknüpfung von evolutionsbiologischen und kulturellen Aspekten unsinnvoll macht.
      • Was meinst du genau mit vier Größenordnungen?
      • Der Begriff „kulturgerecht“ scheint mir in diesem Zusammenhang problematisch zu sein, weil ich Bezug auf die Art Mensch im Sinne der Gesamtheit der Individuen genommen habe. Eine kulturgerechte Ernährung würde unsere Kultur befördern, wenn man den Begriff analog zur Artgerechtigkeit aufzieht. Ich beziehe mich ja gerade auch nur auf den biologischen Stand.

      Ich sehe keine relevante Trennung zwischen Natur und Kultur, wenigstens nicht vom Standpunkt der Evolution aus. Kennst du das Buch „Evolutions in Four Dimensions“ von Lamb/Jablonka? Da wird das ganze ziemlich gut aufeinander bezogen.

      Viele Grüße
      Sascha

  9. Philipp at |

    Hallo Sascha mit vier Grössenordnungen meine ich 10000 mal schneller, wenn man vereinfacht die Zeit seit den Jäger und Sammlern annimmt. Deshalb finde ich es problematisch diese beiden Phänomene mit derart unterschiedlichen Zeitskalen zu verknüpfen. Es viele kleine Anpassungen gegeben, deshalb danke für den Buchtipp, dort wird sicher auf die schnelleren Einflüsse auf die Arten eingegangen.

    Die kulturgerechte Ernährung würde den kulturellen und technologischen Leistungen der geistigen Fähigkeiten und der Gemeinschaft folgen. Gebe dir vollkommen Recht, das dieses Phänomen wiederum das Überleben beeinflusste bzw. zur Verdrängung der Jäger/Sammler-Lebensformen führte. Wenn ich bei der artgerechten Ernährungen bleibe, hat eine Anpassung von Mensch und Natur um Grössenordnungen langsamer stattgefunden als im Falle der Kultur. Bei letzterer ist biologische Veränderung nur schwer nachgekommen.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      @Phillip:

      • Jetzt hast du der Geschwindigkeit eine Zahl gegeben. Ich frage, warum der Unterschied relevant ist.
      • Der Interesse halber: Woher kommt diese Zahl? Ich finde es schwer so etwas wie Geschwindigkeit irgendwie auf Entwicklung anzuwenden. Was ist die Skala?
      • Dass du den Begriff „kulturgerecht“ so verwendet hast, habe ich schon vermutet. Allerdings verschiebt sich dann die Struktur des Begriffs, wenn du ihn parallel zum Begriff „artgerecht“ verwenden willst. So bedeutet er „der Kultur als Umwelt angemessen“. Artgerechtigkeit meint hier „für die Art förderlich“.
      • Oder du verwendest beide Begriffe anders. Dann sind beide Begriffe Konstituenten für den Begriff „individuengerecht“. Dann ist eine individuengerechte Ernährung immer auch art- und kulturgerecht. Hast du dann keine Begriffe für das, was ich wiederum als art- und kulturgerecht bezeichnet habe. Aber genau diese Aspekte sind es, die wesentliche Annahme der Version von Steinzeiternährung sind, gegen die ich mich wende. Sie identifiziert Artgerechtigkeit (in meinem Sinne) mit Individuengerechtigkeit.
  10. Philipp at |

    Individuengerecht als Kombination von art- und kulturgerecht hört sich interessant an. Wenn die artgerechte Ernährung der Art förderlich sein soll, bezieht sich die Bezeichnung auf die Evolution, ist dynamisch. Ich habe den Begriff retrospektiv verwendet, also statisch für unsere Generation. Das spielt wieder auf die Zeitskalen an: 10000 Jahre Landwirtschaft und Industrialisierung, aber nur kleine Ändetrungen beim Menschen.

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  11. Michael at |

    Hallo, alles schön und gut, philosophisch, begrifflich, letztlich aber nur eine Diskussion um Begrifflichkeitebm führt aber von dem entscheidenden Umstand weg: Völlig egal, ob man von artgerechter Ernährung sprechen kann oder in der Evolution das Individuum keine Rolle spielt (was so absolut auch nicht zutreffend ist): Maßgeblich ist: Die Biologie des Menschen paßt zu dieser Noch-Steinzeit-Ernährung und vice versa. Was danach, Ackerbau Getreide, kam ist zu jung, um zur einer Anpassung unserer Biologie zu führen. Es ist für die Frage der gesunden Ernährung ohne Bedeutung, ob wir wir auf diese Weise (und unter Zuhilfenahme unserer technischen Hilfsmittel) jedenfalls derzeit noch erfolgreicher sind als unsere Vorfahren. Es ist auch nicht relevant, ob der Steinzeitmensch hätte besser genährt sein können. Das ist zweifellos der Fall. Maßgeblich ist nur, daß im großen und ganzen unsere Biologie auf eine andere, nämlich die steinzeitliche, Ernährung ausgerichtet als die, die wie heute betreiben. Nicht relevant ist bei dieser auf das Individuum bezogenen Frage auch, ob sich die Menschheit überhaupt auf diese Weise ernähren könnte. Wohl nicht – aber die gegenwärtige Situation ist auch nicht eben optimal. Damit kein Mißverständnis entsteht: Ich bin kein Anhänger der Paleo-Ernährung, ich praktiziere sie nicht, noch viel weniger will ich sie fanatisch verteidigen. Aber philosophische Wort- und Begriffjonglierereien, auch wenn sie an sich zutreffend sein sollten, führen nicht weiter.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Begriffsarbeit ist die Grundlage einer vernünftigen Theorie, die wiederum plausible Aussagen über die Realität macht. Daher ist es nicht egal, wie die zu Grunde liegende Begriffsarbeit gestaltet ist, was man an zahllosen Begriffproblemen findet (Beispiel: Definition von „Low Carb“ im Bereich der Ernährung)

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