24 Reaktionen

  1. at |

    Mal abgesehen vom übrigen Inhalt:

    „Mandelmehl muss ziemlich ähnlichen Verarbeitungsprozessen unterzogen werden wie Weizenmehl. „

    Da irrst du gewaltig. Der Prozess ist ein völlig anderer. Wenn du das ausprobieren möchtest, kann du ja mal einen Sack voll Mandeln zur Getreidemühle bringen.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Ich beziehe mich bei der Ähnlichkeit vor allem auf das Konzentrieren und die Konsistenzveränderung, die dann natürlich wichtig für das Backen ist. Ich denke für mein Argument ist es unerheblich, ob man Mandelmehl vorher entölen sollte oder nicht.

    2. at |

      Dann solltest du das ausdrücklich schreiben. Denn du schreibst Verarbeitungs_prozess_ – und Mandelmehl (und gemahlene Mandeln) werden nunmal weder gebleicht, noch von ihrer Haut (und somit einem wesentlichen Teil ihrer Nährstoffe) befreit. Der Prozess ist ein völlig anderer, der viel weniger Verarbeitungsschritte beinhaltet – das kann man praktisch in jeder Küche nachmachen. Eine im gemahlene Mandel ist ernährungsphysiologisch von einer ganzen, zerkauten Mandel nicht zu unterscheiden. Für Weizenmehl wird ein erheblich größerer Aufwand betrieben. Das Argument der starken Verarbeitung (das du im Vergleich mit Weizenmehl anführst), ist daher nicht schlüssig bzw. anders betrachtet: Extrem schwach.

    3. Sascha Fast at |

      Ich gehe das mal der Reihe nach durch.

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      Die Verarbeitunsprozesse:

      1. Meines Wissens ist das Bleichen von Mehl in Deutschland seit geraumer Zeit verboten.
      2. Die Schale zu entfernen sollte ein Schritt in die richtige Richtung sein, weil hier auch entsprechend der größte Anteil an Antinährstoffen zu finden sein sollte. Mit dem enorm hohen Phytingehalt sollten auch entsprechend die Mineralien kaum zu absorbieren sein.
      3. Mahlen von Getreide sollte eigentlich auch in jeder Küche nachmachbar sein. Zumindest, wenn man die gleichen technischen Mittel, wie vor einigen tausend Jahren zur Verfügung hat (z.B. Mörtel)

      Punkt 1 und 3 sprechen dafür, dass es keinen relevanten Unterschied gibt. Punkt 2 spricht dafür, dass Mandelmehl noch problematischer ist als Weizenmehl. Den letzten Punkt glaube ich allerdings selbst nicht, weil Mandeln sich auch eigentlich mechanisch schützen, was dafür spricht, dass sie einen geringeren Anteil an Antinährstoffen haben. Zur Zeit liegen mir aber keine Infos vor.

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      Der ernährungsphysiologische Unterschied zwischen gekauter und gemahlener Mandel

      Der gewichtige Unterschied ist im ersten Punkt des Artikels von Lauren zu finden. Beide Fälle haben eine andere Geschichte. Die gekaute Mandel wurde nämlich gekaut. Deswegen kann und wird man ganze Mandeln in einer ganz anderen Geschwindigkeit und vor allem auch einer ganz anderen Menge zu sich nehmen. Das ist ein ziemlich gewichtiger Unterschied.

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      Schluss

      Wenn ich deinen Einwand berücksichtige ist mein Argument zu schwach dargestellt und Mandelmehl ist problematischer, als ich es vermutet habe.

    4. at |

      Du scheinst meine Intention völlig misszuverstehen. Es geht mir, wie bereits im ersten Kommentar ausdrücklich geschrieben, lediglich und ausschließlich darum dass der „Prozess“ der Herstellung gemahlener Mandeln eben nicht „ziemlich ähnlich“ dem der Herstellung von Weizenmehl ist. Ob Mandeln „problematischer“ sind oder nicht ist mir Latte wie Rost. Darauf beziehe ich mich mit keinem Wort.

    5. Sascha Fast at |

      Ich bin einfach nur die Aussagen der Reihe nach durchgegangen um zu entkräftigen, mein Argument sei extrem schwach. Wir haben da vielleicht einen anderen Begriff von Ähnlichkeit. Wie dem auch sei, konnte ich meine Argumentation erhärten. Danke dafür.

  2. at |

    Hallo Sascha,

    ich finde es gut, dass du dich mit der (Paleo)Ernährung auseinandersetzt, hier im Blog darüber schreibst und die altbekannten Themen auch aus für mich neuen oder wenig beachteten Blickwinkeln darstellst.

    Selbst ernähre ich mich blockweise unterschiedlich – mal mehr, mal weniger Junk/Süsses etc. Das Erscheinungsbild ist entsprechend. Momentan esse ich wieder bewusster – heisst für mich: Mehr Gemüse, Eiweiss aus verschiedensten Quellen, weniger Kohlenhydrate (aber kein Paleo), Junk wenn nur als Cheatmeal und Süßigkeiten entsprechend (6+1 Tage-Aufteilung). Momentan heisst jetzt 2 Wochen. Das nur als Background. Einmal bei Daniel Hahn haben wir uns auch persönlich getroffen und vielleicht bin ich dir noch aus meiner „berüchtigten“ Forentätigkeit bekannt :-).

    Für mich ist dieser Blogpost wieder ein Fingerzeig, nicht über die Massen NUR in eine Richtung hin zu übertreiben. Mir persönlich würde es z.B. auch nicht gut gehen, wenn ich ausschliesslich Eiweiss und Gemüse zu mir nehmen würde. Paradoxerweise (?) werde ich dann auch nicht satt. Und ich fühle mich nicht wohl. Wahrscheinlich auch eine Kopfsache?!

    Für deine Frage / Anregung, verschiedene „Paleo“-Mehle zu mischen wäre mein Vorschlag, diese nicht zu mischen, sondern erstens direkt isoliert (mal dieses, mal jenes) zu verwenden und generell wenn möglich das komplette Paleo-Nahrungsspektrum zu verwenden.

    Und auch die Verarbeitung würde ich über das ganze Spektrum laufen lassen. Also von unverarbeitet bis verarbeitet.

    Zudem bin ich der Meinung, dass ein Ernährungsstil wie z.B. Paleo nicht zwangsläufig Fakeprodukte der „alten“, bisher gewohnten Ernährung mit sich bringen sollte. Das ergibt für mich keinen Sinn. Ähnlich wie Sojawürstchen für Vegetarier (=Riesenschmarrn ;-). Um die Kurve zu kriegen: Paleo-Kuchen sind für mich ein NoGo. Wenn Kuchen, dann zu bestimmten Zeiten bewusst als „Original“, aber nicht als Fakeprodukt. Bei diesen Fakeprodukten (wie ich sie nenne) ist auch ein gesundheitlicher Nutzen fragwürdig. Und z.B. fürs Abnehmen (was mich beschäftig) totaler Nonsens. Für mich funktioniert hier eine Mischung aus Kalorienbeschränkung mit einer gewissen Lebensmittelauswahl.

    Insgesamt versuche ich, darauf zu achten, auch ein möglichst grosses Nahrungsspektrum zu verwenden und die Abwechslung hoch zu halten (über Paleo hinaus).

    Einen langfristigen Weg in der Ernährung sehe ich darin, dass man Einschränkungen vornimmt, aber nichts komplett ausschliesst.Z.B. Süsses einmal in der Woche oder ähnliches.

    Je mehr ich persönlich reglementiere (mein Ziel ist es, mein Körperfett vor allem im Bauchbereich „drastisch“ zu verringern), desto unwahrscheinlicher wird ein längerfristiger und nachhaltiger Einsatz einer „Diät“ oder eines „Lifestyles“ oder ähnlichem.

    Momentan fahre ich gut mit ein paar Regeln. Und wenn noch ein Feinschliff notwendig ist, kann man ja immer noch viele Parameter ändern (erstmal die Basis schaffen, verfolgen).

    Viele Grüsse, Thomas

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Hallo Thomas, deinen Vorschlag das ganze Spektrum von verarbeitet und unverarbeitet zu nutzen halte ich für etwas… mh, „wischiwaschi“. Bei der Frage geht es genau darum, ob man vielleicht den möglichen Schaden breiter Streuen kann, so dass man tatsächlich ein sehr bekömmliches Mehl erhält. Mal hier und mal dort eine Schrotflinte anzusetzen halte ich nicht für vielversprechend.

    2. at |

      Nunja, ich halte das schon für einen gangbaren Weg. Und auch hier muss das Gegenteil erstmal bewiesen werden :-).

      Wenn ich Kuchen haben möchte, esse ich Kuchen, auch aus Weizenmehl. Sinnvollerweise nicht zu oft. Denke mal, dass es früher auch gerade deshalb weniger Zivilisationskrankheiten gegeben hat: Weil Süsses, Fleisch oder gar Junk Food gar nicht in solchen Massen zugänglich waren (Die Dosis macht das Gift).

      Eine Beschränkung auf andere – Nichtweizenmehle – macht für mich selbst deshalb keinen Sinn. Und der „Paleomensch“ sollte dementsprechend einfach weniger Mehle konsumieren (egal ob Mandel-, Hasel-, oder Kokosnuß oder hastenicht gesehen). Paleo gibt ja mehr her als nur Nüsse.

      Also weniger Nüsse und weniger Nussmehl insgesamt, dann passts wieder :-).

  3. at |

    Also ganz rein intuitiv habe ich mich schon öfter mal gefragt, wie gesund Mandelmehl denn überhaupt ist, und ob das nicht einfach eine gut durchdachte Marketingstrategie ist, um eigentlich anfallenden Abfall in der Ölgewinnung noch möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Obige Überlegungen (ich schätze, es sind grösstenteils genauso Überlegungen wie die Meine, also noch nicht wirklich wissenschaftlich untermauert) würden meine Überlegungen bestärken. Genauso aber ist Kokosmehl stark verarbeitet und würde evtl. ebenso gut vermarkteter Abfall sein können. Immerhin ist es einfach Ballast(stoff) für den darm, mit dem er so ansich nix anfangen kann, angeschlagene därme sollten da evtl. sowieso vorsichtig mit sein. Zum Anderen ahbe ich festgestellt, dass man mit stinknormalen Kokosraspeln genauso backen kann, schmeckt sogar noch besser, wie ich finde (und ist nicht so komisch kratzig im Hals). nd kostet nur einen Bruchteil. Eigentlich äußerst unverschämt, dass diese ohnehin anfallenden Abfallprodukte von gepressten mandeln und Kokosnüssen so krass teuer sind. Mal ne Überlegung wert, oder?

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Ich wäre nicht so vorschnell. Weil etwas als Abfallstoff in der Herstellung entsteht, ist das nicht unbedingt ein schlechtes Lebensmittel. Von den Eigenschaften und Inhaltsstoffen scheint Kokosmehl vielversprechender zu sein. Man müsste prüfen, was für Kokosmehl und was dagegen spricht. Ballaststoffe sind erstmal nichts Schlechtes, solange man einen gesunden Darm hat, sogar etwas Gutes. Die eigentliche Frage ist, welche Menge noch verträglich ist.

      Dass solche Produkte so teuer sind ist tatsächlich unverschämt, aber eben natürliche Folge eines Kapitalismus.

  4. Alex at |

    Bei mir kommen Nüsse und Mandeln meistens unten so raus, wie sie nach dem Kauen meinen Mund Richtung Magen verlassen haben. Besonders auffällig wirds wenn ich größere Mengen esse. Unmittelbare Verdauungsprobleme oder Unannehmlichkeiten habe ich nicht. Woran könnte das liegen? Macht die Schlußfolgerung, dass ich Nüsse nicht ordentlich verdauen, ergo mein Körper sie nicht nutzen kann Sinn? Macht es in so einem Fall überhaupt Sinn ein Lebensmittel zu essen wenn es nicht ordentlich verdaut wird (von Genuß mal abgesehen)?

    Ich habe schon mehrmals mit Mehlersatz auch Mandelmehl experimentiert und das war alles Käse. Schmeckt nicht vernünftig und ich fühl mich vor allem nach Mandelmehl nicht besonders gut (voll gestopft). War früher Brotjunkie und da kommt kein Ersatz an das Original ran. Ich esse seitdem auch bei Kuchen nur noch das Original, wenn auch sehr selten. Insofern, nein Kuchen ist für mich nicht Paleo.

    Whey ist ein stark verarbeitetes Lebensmittel. Machst du für solche Dinge dann eine Kosten-Nutzen Rechnung im Kontext deines Trainings um den Konsum zu rechtfertigen? Ist Whey für den Otto Normal Sportler mit 4x Training pro Woche Notwendig oder würde das Argument der starken Verarbeitung dann überwiegen?

    PS: Ich finde deinen Blog super und bin auch gespannt auf das Buch. Ich bekomme durch deine Artikel häufig neue Blickwinkel oder Erkenntnisse. Weiter so. Und mach mal endlich das Buch fertig ;)

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Was du nicht verdaust, würde ich per se erstmal vom Speiseplan streichen. Dein Körpergefühl hat dir ja schon eindeutiges Feedback gegeben. Ich kann Mandeln nicht einmal in kleinen Mengen essen. Ich kriege sofort ein kratziges Gefühl in Mund und Rachen.

      Der Verarbeitungsgrad per se ist ja erstmal nicht schlimm. Solange du unvergältes Whey ohne Geschmack nimmst, sollte es kaum Verträglichkeitsprobleme über die darin enthaltende Lactose hinaus nicht geben. Durch den Glutamingehalt ist Whey in vielen Fällen eher gesund für den Darm. Notwendig ist das überhaupt nicht, aber man kann so eine schnelle anabole Antwort provozieren. Das heißt, dass du schon einen Effekt hast. Weil der Verarbeitungsgrad keine Nachteile in der Verträglichkeit darstellt, hast du einen Netto-positiven Effekt. Ob die so groß sind, wenn man danach sowieso eine große, proteinreichen Mahlzeit zu sich nimmt, sei mal dahingestellt.

      Ansonsten: Danke für das Kompliment. Am Buch arbeite ich auf Hochtouren.

  5. Murx at |

    [quote]1. Mandelmehl macht es schwer abzuschätzen, wie viel Nahrung man eigentlich vor sich hat. Eine Tasse Mandelmehl umfasst 90 Mandeln. [/quote] Ich weiß ja nicht, wie es anderen Menschen geht, aber ich hab ein gesund ausgeprägtes Sättigungsgefühl, egal, ob ich Mandeln knacke und direkt aus der Schale mampfe oder sie mit nem Mixer zu Mehl vermahle, wenn die benötigte Energie und die benötigten Nährstoffe aufgenommen sind, gibts nen Stop, dann ist mir alles, was nach Nuß oder Nußmehl aussieht, sogar zuwider … ich habe es noch nie in meinem Leben geschafft, mehr Mandeleierkuchen zu essen, wie ich Mandeln und Eier zu mir nehmen würde … Übrigens, Steinzeitmenschen hätten genauso wenig Probleme wie ich mit dem Sättigungsgefühl, das war bei denen auch noch sehr gesund und ausgeprägt ;) Das ständige Hungergefühl, was zum Zuvielessen animiert, wird normalerweise durch zuviele leichtverdauliche Kohlenhydrate ausgelöst, nicht durch Fett und Eiweiß. Damit würde man sogar Steinzeitmenschen dick bekommen.

    [quote]1. Mandelmehl ist reich an Omega-6-Pufas (30%), welche normalerweise ohnehin zu viel aufgenommen werden. Sie zählt einige Probleme auf wie verlangsamter Stoffwechsel, erhöhte Entzündungsmarker und einige mehr.[/quote] Na … da möcht ich aber erstmal ne belastbare Studie zu sehen, bevor ich das glauben kann! Zumal Steinzeitmenschen deutlich mehr Omega-6 Fettsäuren aufgenommen haben, wie wir Wohlstandsaffen … also da sollten wir ja wohl dran angepaßt sein. Was in unserer heutigen Gesellschaft zuviel aufgenommen wird, das sind gesättigte Fettsäuren – also nix die Omega-6 mit den Doppelbindungen dazwischen, sondern ganz im Gegenteil, die Dinger mit wo ganz ohne Doppelbindungen dazwischen! Da hat die Schreiberin des Artikels irgendwie ein klein wenig durcheinandergebracht, fürchte ich …

    [quote]Die ungesättigten Fettsäuren in Mandelmehl sind nicht hitzebeständig. Sie macht eine einfache Folge auf. Das Fett oxidiert bei Hitze, oxidiertes Fett bedeutet freie Radikale und freie Radikale bedeuten Zellschäden.[/quote] Aha … so einfach ist die Welt also … Meine Welt ist nicht so einfach, denn jegliche chemische Reaktion hat eine gewisse Reaktionszeit – und die Öle im Mandelmehl brechen erstmal auseinander zu Fettsäuren, bevor auch nur eine einzige Doppelbindung auseinanderbricht. Das braucht Zeit … weiterhin braucht es Zeit, bis diese Doppelbindungen endgültig auseinanderbrechen. Weiterhin enthalten Mandeln Vitamin E und diverse Phenole – jedes Radikal, was da also mühsam über die Zeit durch Hitzeeinwirkung abgespalten wird, wird sofort wieder von diesen Radikalfängern eingefangen – kurzum, die Phenole und die Vitamin E-Varianten reagieren mit den Radikalen zu ungefährlichen Verbindungen. Gerade Phenole sind sehr hitzebeständig … heißt also, selbst, wenn ich mein Mandelmehl irrsinnigerweise zu Kohle röste, werden weniger Radikale frei, wie im menschlichen Stoffwechsel.

    [quote]Mandelmehl ist reich an Oxalat (so wie eben Mandeln), welches Probleme im Darm verursacht, Arthritis und Verhaltensprobleme wie ADHS[/quote] Also speziell der Steinzeitmensch hat dasselbe Problem wie ich … er fraß ne ganze Menge Pflanzen von der Wiese weg … und die meisten dieser Pflanzen schützen sich in einem einzigen Blatt mit erheblich mehr Oxalaten, wie selbst in einem Kilo Mandel nachgewiesen werden kann! Sry … irgendwie nicht sehr stichhaltig! Übrigens … seitdem ich mich von Rohkost direkt aus der Natur ernähre, habe ich deutlich weniger Probleme mit meinem Darm. Sobald ich jedoch wieder „rückfällig“ werde und viel Kochkost esse, oder noch schlimmer, viele verdaulichen Kohlehydrate futter, nehmen die Darmprobleme enorm zu. Weiterhin dürfte es verdammt schwer sein, belastbare Studien zu finden, welche den Zusammenhang von der Aufnahme an Oxalaten und AD(H)S und Arthritis nachweisen … ich vermute, die Gute hat Oxalate einfach nur mit Phytinsäure und Lectinen verwechselt – da gibts nämlich tatsächlich ein paar Studien zu, auch wenn die nicht sonderlich belastbar sind.

    [quote]Mit Kokosmehl steht eine wesentlich bessere Alternative zur Verfügung[/quote] Ganz klares NOPE! Ob ich nun Walnußmehl, Mandelmehl, Kokosmehl oder Sesammehl nehme, ist vollkommen wurscht … das, was diese Mehle vom Ursprung unterscheidet, ist einzig, daß sie schon zerkleinert sind und nicht mehr gekaut werden müssen.

    [quote]Ein Credo der Steinzeiternährung ist es möglichst unverarbeitete Nahrung zu essen. Mandelmehl muss ziemlich ähnlichen Verarbeitungsprozessen unterzogen werden wie Weizenmehl.1 Das ist erstmal keine sehr starke Begründung, aber es sollte vorsichtig machen. Vorsicht ist schwer zu überraschen.[/quote] Die Steinzeitmenschen haben angefangen, ein Teil ihrer Nahrung zu kochen … die Veränderungen von Struktur und vor allem von der Verdaulichkeit beim Kochen ist deutlich stärker, wie die Veränderung, wenn ich Mandeln mahle … Das ist doch überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Unsinn, daß von Mehlsaaten alles abgetrennt wird, was nicht Mehlkörper (also reine Stärke!) ist und dann diesen Mehlkörper feinstzuvermahlen. Was die Massage des Zahnfleisches angeht … das kann eh nicht über Nüsse geschehen, davon wird niemand so viel runterbekommen, ab einer gewissen Mandelmenge gibts da so einen Wahnsinns-Jieper auf was „Frisches“, also Kräuter, Knospen, Speicherwurzeln etc … und gerade die Kräuter sind es, die für die Massage des Zahnfleisches zuständig.

    Dazu kommt, daß gerade die Steinzeitmenschen, genau wie andere Menschenaffen auch, ihre Zähne mit geeigneten Zweigen geputzt haben, indem sie die Zweige zerfasert haben und damit ihr Zahnfleisch massiert haben. Die Struktur der Mandeln ist also für den Menschen gar nicht wichtig, egal ob als Mandelmehl oder als ganze Mandel, solange das Häutchen noch dran bzw drin ist, ist die Mandel noch genauso gesund wie vor ein paar Millionen Jahren, als sie von den Steinzeitmenschen gesammelt wurde.

    [quote]Nüsse haben die gleiche Funktion wie Getreide. Sie sind schutzlose “Pflanzenembryos”. So wehren sie sich auf biochemische Weise mit diversen Antinährstoffen. Daher ist es nicht weiter überraschend, wenn sie auf ähnliche Weise problematisch sind wie Getreide. Ihr Gehalt an Phytinsäure ist zum Beispiel absurd hoch. [/quote] Zeig mir ein einziges Wildpflanzenorgan, welches sich nicht mit diversen Fraßschutzstoffen gegen das Gefressenwerden schützt … ob ich nun Phytinsäure mit Samen zu mir nehme oder Silicate mit Schachtelhalm und Brennessel, Oxalate aus Ampfer und Knöterichen, Phenole aus verholzenden Pflanzenteilen, es sind einfach Substanzen, welche die Mineralstoff- und Eiweißaufnahme behindern. In der Steinzeit gab es noch kein weitestgehend von Fraßschutzstoffen freigezüchtetes Gemüse und Obst, das waren alles Wildpflanzen mit sehr hohem Fraßschutzanteil. Die Probleme, die wir heute haben, liegen zu einem großen Teil auch daran, das wir eben viel zu wenig dieser Fraßschutzstoffe aufnehmen! Diese Fraßschutzstoffe übernehmen nämlich im Darm eine enorme Schutzfunktion, weil sie nicht nur uns die Nährstoffaufnahme erschweren, sondern eben auch den Darmbakterien – so daß sich dort nie zuviele Darmbakterien ansiedeln können.

    Das, was Getreide so gefährlich macht, sind auch nicht die Fraßschutzstoffe, sondern vielmehr der hohe Anteil gut verdaulicher Speicherstärke! Wer davon zuviel mampft, füttert da seine Darmgesellschaft übermäßig, so daß diese sich ganz extrem vermehren kann … und mit ihr einige unerwünschte Krankheitserreger.

    Ein Nußmehl ist deshalb überhaupt nicht mit einem Getreidemehl zu vergleichen!

    „Kann Kuchen überhaupt paleo sein?“ Das kommt doch drauf an, was unter paleo verstanden wird … eine von Milchprodukten und Mehlsaaten weitestgehend freie Ernährung? – Ja natürlich kann dann Kuchen paleo sein.

    Eine möglichst authentische Steinzeiternährung? – Nein, natürlich kann Kuchen dann nicht paleo sein, die Steinzeitmenschen sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch gar nicht auf die Idee gekommen, Öfen zu bauen und mit Flüssigkeiten versetzte Pflanzenmehle da reinzuschieben …

    Eine ernährungsphysiologisch ähnliche Ernährung, wie es die Steinzeitler hatten? – Ja natürlich ist dann Kuchen möglich, denn beim Backen verändern sich die Bestandteile ähnlich wie beim Kochen oder beim Braten. Und Kochen und Braten ist für verschiedene Steinzeitkulturen nachgewiesen.

    [quote]Was genau heißt “möglichst unverarbeitet” für die Steinzeiternährung?[/quote] Das heißt, daß es nicht zu weit getrieben werden sollte, denn schätzungsweise 10 – 30% der Nahrung, je nach Kultur, wurden von den Steinzeitlern gekocht und gebraten, also sehr stark verarbeitet. Weiterhin ist für mehrere Affenkulturen nachgewiesen, daß sie Nüsse stampfen (also zu einer Art groben Nußmehl verarbeiten ^^), Blätter in bestimmter Art und Weise mischen, Mineralerde da mit einrollen und dann erst tüchtig durchkauen, bevor sie es futtern und ähnliche Verarbeitungsweisen – es wäre merkwürdig, wenn die Steinzeitler zu doof gewesen wären, nicht ähnliche Verarbeitungsmethoden anzuwenden.

    Wenn es also heißt, „möglichst unverarbeitet“, komm ich bei Instincto raus, einer sehr modernen Rohkosternährung, bei der nix über 40°C erhitzt wird und alles unvermischt gegessen wird. Da wird nämlich tatsächlich nur insofern verarbeitet, daß halt Tiere geschlachtet, Fische ausgenommen (und selbst das nicht immer) und Pflanzen geerntet und gegebenenfalls getrocknet werden. Alles andere ist tabu …

    Steinzeitmenschen kannten sowohl das Kochen, als auch das Braten und es ist anzunehmen, daß sie eine Vielzahl an weiteren Verarbeitungsmethoden kannten, um ihr Futter für ihre Wanderungen haltbar zu machen.

    [quote]Was haltet ihr davon möglichst viele Zutaten zu mischen (z.B. Kokosmehl + Mandelmehl + Haselnussmehl) um die problematischen Stoffe “weiter zu streuen”?[/quote] Wenn es schmeckt – warum nicht? :D Ernährungsphysiologisch macht es allerdings keinen Unterschied, ob ich nun die einzelnen Mehle miteinander mische oder ob ich sie hintereinander futter.

    Daß natürlich abwechslungsreich gegessen werden sollte, ist ne Binsenweisheit – eine Ernährung nur von Nußmehlen ist nicht möglich, da wird ausnahmslos jeder Mensch irgendwann streiken, weil er weder Nüsse noch Nußmehl weiter riechen, geschweige denn Essen kann, ohne nen Würgreiz zu bekommen.

    Abwechslungsreich wie die Steinzeitler heißt übrigens, daß man mind. 2000 Pflanzenarten übers Jahr und verschiedene Tierarten übers Jahr nutzen müßte mit ner gewissen Saisonalität, viele Pflanzenarten sind nämlich nur kurze Zeiträume, oft nur für wenige Tage im Jahr, für den Menschen nutzbar. An diese Vielfalt heranzukommen ist in unserer mordernen Zeit gänzlich unmöglich, zumindest wenn man nicht gerade in einem Naturschutzreservat lebt oder viel in der Weltgeschichte rumturnt …

    Übrigens müßte man sich auch ähnlich bewegen wie ein Steinzeitler, also die 10km am Tag wandern (oder gleichwertige Bewegung) wäre das absolute Minimum, unter dem funktioniert auch heute noch unser Verdauungstrakt und unser Stoffwechsel nicht wirklich zufriedenstellend. Wir sind eben immer noch an eine wandernde Lebensweise angepaßt …

    [quote]Mir persönlich würde es z.B. auch nicht gut gehen, wenn ich ausschliesslich Eiweiss und Gemüse zu mir nehmen würde. Paradoxerweise (?) werde ich dann auch nicht satt. [/quote] Natürlich wirst du davon nicht satt … fehlt ja das Fett! Iß dagegen morgens ne schöne gebratene Scheibe Speck und versuch es dann noch mal mit eiweißreicher Gemüsekost …

    [quote]Bei mir kommen Nüsse und Mandeln meistens unten so raus, wie sie nach dem Kauen meinen Mund Richtung Magen verlassen haben. Besonders auffällig wirds wenn ich größere Mengen esse. Unmittelbare Verdauungsprobleme oder Unannehmlichkeiten habe ich nicht. Woran könnte das liegen? [/quote] Das kommt jetzt drauf an, ob du nun entöltes Mandelmehl oder gemahlene Mandeln benutzt hast … entöltes Mandelmehl ist eigentlich Ölpreßkuchen, der getrocknet wurde und dann zu Mehl vermahlen wurde – das entölte Mandelmehl hat also nicht mehr viel mit Mandeln zu tun, neben diversen Fraßschutzstoffen (einschließlich Phenolen) fehlt dem entölten Mandelmehl das Öl …

    Gemahlene Mandeln dagegen (das, was ich unter Mandelmehl verstehe) ist das, was vermutlich auch schon die Steinzeitler kannten … man nehme einen flachen, sehr großen Stein, einen weniger großen, etwas abgerundeten Stein und packe die Nüsse auf den flachen Stein, dann schlage man mit dem anderen Stein geschickt so drauf, daß die Schale aufgeht, schiebt die ungenießbare Schale beiseite und haut so noch ein wenig auf dem Ganzen draufrum, bis es zu einem Mehl kleingestampft ist … das Ganze kann man dann mit Ei verrühren und die Masse auf einen ins Feuer geschmissenen Stein schütten und schon hat man Paleo-Eierkuchen :D Ich mach das zuhause allerdings mit Nußknacker, Zauberstab, Schüssel und Bratpfanne … mein Vermieter würde mir was husten, wenn ich in der Wohnung fröhliches Steinewerfen bei Lagerfreuer veranstalte :D

    Im ersteren Fall könnte es sein, daß du einfach nur deinen Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse derartig mit Brot und Kuchen irreversibel zerstört hast, daß du nichtmal mehr in der Lage bist, Nußeiweiße aufzuschließen. Im zweiteren Falle könnte es sein, daß du einfach zu den Menschen gehörst, die mit Fetten und Ölen nicht viel anfangen können, die nur wenig davon brauchen … Menschen, die nur wenig Öle brauchen, haben einfach das Problem, daß ein hoher Fettanteil die Nahrung so schnell durch den Darm flutschen läßt, daß die Darmzotten nur noch enttäuscht den Nährstoffen hinterherschauen können, wie die gerade im Eiltempo durch den Darm rasen … die Folge ist, du kannst bei genügend Essen und genügend aufgenommenen Kalorien regelrecht verhungern, wenn du zu fettlastig futterst.

    Ich selbst gehöre zum Gegenteil, ich brauche viel Fett. Eß ich zuwenig Fett, geht mein Cholesterinspiegel innerhalb weniger Wochen in schwindelerregende Höhen … wenn ich bei ca. 40 – 60% Fett in der Trockenmasse liege, ist der Cholesterinspiegel am unteren Limit, wie es sich gehört. Dann stimmt auch LDL und HDL vom Verhältnis wieder, so wie es sich gehört.

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar.

      Allerdings hast du ihren Behauptungen erstmal nur Gegenbehauptungen erwidert. Es fehlt noch an entweder empirischen oder theoretischen Begründungen.

    2. Pedro at |

      Ich fand den Kommentar auch sehr interessant. Insgesamt meine ich, dass die Beweislast bei demjenigen liegt, der plötzlich behauptet, ein Lebensmittel, für das es in vielen guten Studien nachgewiesene positive Gesundheitswirkungen gibt, sei schädlich. ‚Theoretischeu Argumente‘ reichen da nicht, es geht um konkrete Wirkungen.

  6. Pedro at |

    Was mir im Sinne des Artikels noch eingefallen ist: Ich gehe bei Nährstoffen weniger von einer generellen als von einer dosisabhängigen „Schädlichkeit“ kritischer Nahrungsmittel aus. Eine Verarbeitung kann aus einem eher sporadisch oder saisonal konsumierten Lebensmittel plötzlich ein Grundnahrungsmittel machen, mit negativen Folgen für manche Personen, siehe z.B. Zucker… und vielleicht auch Mandeln?

    Reply
    1. Sascha Fast at |

      Die Dosisabhängigkeit ist in der Tat wichtig. Bei Mandeln sehe ich das Problem fast genauso, wie du es beschrieben hast. Durch Verarbeitung verändert sich der Kontext des Lebensmittels. Ich würde auch keine Permanentversorgung mit Fleischpulver befürworten. Wer weiß, was man für verrückte Lebensmittel daraus herstellen könnte.

  7. Satasha at |

    Kokosmehl oxidiert schnell und ist nicht wirklich die bessere Alternative. Da hast du leider etwas behauptet, was nicht stimmt…

    http://www.fettich.de/sind-kokosprodukte-gut-fuer-mich

    Reply
    1. Sascha Fast at |
      1. Ich habe lediglich die wesentlichen Punkte des Artikels übersetzt. Dann habe ich die Kritik an Mandelmehl plausibel gemacht. Dabei habe ich keinerlei Bezug auf das Kokosmehl genommen.
      2. Die Instabilität bezog sich auf das Fett (gesättigte vs. ungesättigte). Wenn du eine Quelle hast, die sich auf die anderen Bestandteile bezieht (Ich denke, beim Fett sind wir uns einig), dann sehe ich sie mir gerne an.
      3. Dein Link bietet leider keinerlei Evidenz oder Begründung:

      Ein Beispiel aus dem Link:

      „Es ist nicht stabil und nicht hoch erhitzbar, somit zum Braten eher ungeeignet, und absolut nicht zum Frittieren geeignet (im Gegensatz zu Rinderschmalz).“

      Wenn man sich auch nur den Wikipedia-Artikel ansieht, dann sieht man, dass Kokosfett die Nase vorn hat, wenn man es mit Butter vergleicht. http://de.wikipedia.org/wiki/Rauchpunkt

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  1. Anonymous at |

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