9 Reaktionen

  1. Sebastian at |

    Hallo Sascha, Wo liegt für Dich der Unterschied zwischen Glück, als Gefühl an sich, und Erfüllung?

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    1. Sascha Fast at |

      Ich kann dir das neurophysiologisch sagen, aber das wird dir nicht helfen. :)

      Glück ist die Aktivierung von Striatum, Nucleus Accumbens und allgemein das, was man als Glückszentrum (gleichzeitig unser Lernzentrum) bekannt ist. (Es gibt sicherlich noch Argumente dafür, dass es noch andere Realisierung von Glück gibt, aber der Einfachheit halber konzentriere ich mich darauf) Erfüllung ist eine Integrität der Neuroarchitektur, was man im Allgemeinen als „stabile Psyche“ wahrnimmt. (Als ungefähre Vorstellung)

      Glück ist ein temporäres Wohlgefühl. Erfüllung die Gewissheit genau das zu tun, was man tun sollte.

      (Eine echte Antwort würde sich über viele Seiten strecken, aber so hast du eine ungefähre Vorstellung davon, was meinen Überlegungen zu Grunde liegt)

  2. Katrin at |

    „Bei sich zu sein“ oder „zu sich selbst zu finden“ klingt ja immer recht romantisch und erstrebenswert. Tatsächlich muss es das aber gar nicht sein! Was findet sich wohl so IN EINEM AN, wenn man sich mal wirklich traut hinzuschauen? In diesem Sinne verstehe ich Übergewicht auch als eine Art Schutzschicht, ein zu decken von Schmerzlichem, Verletztheiten Verunsicherungen und oft einer großen Bedürftigkeit. Auch eine große Leere kann einem begegnen (die viele Menschen mit exzessivem Medienkonsum zu füllen suchen). Wenn man die Schichten abträgt (AUCH im übertragenen Sinne) kommen Dinge zum Vorschein, die man erst mal lernen muss auszuhalten und anzunehmen. Das ist aus meiner Sicht der wichtigste Teil der Aufgabe (zu sich selbst zu finden).

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  3. Katrin at |

    hatte ich vergessen: Kompliment an die Autorin für so viel Realismus und innere Stärke!

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    1. Autorin at |

      Hi Katrin, vielen Dank.

  4. Alexa at |

    Vielen Dank für diesen Einblick in deine Entwicklung, liebe Autorin! Mich würde noch interessieren, wie du es geschafft hast, deine Umgebung zu ändern, also Job kündigen, in der Sonne sein, Herrin über deine Zeit zu sein – das finde ich sehr beneidenswert!

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    1. Autorin at |

      Hallo Alexa, Danke für die Nachfrage.

      Wie ich es geschafft habe meinen Job zu kündigen? :-) Die Frage hat für mich zwei Aspekte, den emotionalen und den finanziellen.

      Ich habe mehrere Wochen mit mir gerungen, ob ich kündigen soll. Vom Gefühl her wollte ich weg, doch meine Vernunft hat immer gewonnen.

      Rational gesehen, sprachen die Gründe dagegen, zu kündigen: unbefristete Stelle, gute Branche, nette Kollegen, festes Einkommen. Ich bin in einer sehr sicherheitsorientierten Familie aufgewachsen. „Denk an deine Rente, Kind“, hätte meine Oma gesagt.

      Ich war mit der ‚vernünftigen‘ Entscheidung sehr unglücklich, und mein Gefühl wollte einfach keine Ruhe geben. „Du lebst doch nicht, damit du irgendwann deine Rente kassieren kannst, und alleine und vor Langeweile auf deinem Sofa stirbst“, war mein Gedanke.

      Ich hatte eine Coachingsitzung um Klarheit zu bekommen. Erst sollte mir vorstellen, wie ich mich fühle, wenn ich weiter arbeite. Dann sollte ich mir vorstellen, wie ich mich fühle, wenn ich kündige. Bei der zweiten Vorstellung musste ich sehr weinen. Ich war erschrocken darüber, wie hart ich zu mir war und was ich mir abverlangte. Da wusste ich, es ist die richtige Entscheidung, zu kündigen.

      Ich hatte trotzdem Angst. Die Bedenken waren nicht weg. Aber die Entscheidung stand fest: Ich kündige. Was für eine Erleichterung. Statt mit mir selbst zu kämpfen, konnte ich mich darauf konzentrieren, die Entscheidung umzusetzen und meine Reise zu planen.

      Ich lebe nicht, für meine Rente, sondern um neue Erfahrungen zu machen. Selbst wenn ich auf die Schnauze fliege – hey, ich war so mutig und habs probiert.

      Ich habe ich immer sparsam gelebt und habe Geld zurück gelegt. Damit finanziere ich mir jetzt meine Freiheit. Ich möchte mir ein Jahr Zeit geben, um herauszufinden, was ich machen will. Mir ist bewusst, dass es eine sehr luxuriöse Situation ist. Ich habe die absolute Freiheit mir den Tag einzuteilen, wie ich will.

      Wider Erwarten, faulenze ich nicht, sondern arbeite auch jetzt, mehrere Stunden pro Tag: Ich bin dabei einen Roman zu schreiben. Ich bin aber nicht in ein Büro eingesperrt, muss mich nicht an irgendwelche nervigen bürokratischen Vorgaben halten oder Projekte umsetzen, die ich sinnlos finde oder in der U-Bahn sitzen. Ich kann ausschlafen oder morgens um 5:30 Uhr anfangen zu schreiben. Ich kann vormittags ins Kino gehen, und ich kann auf dem Bett liegen und schreiben, wenn es draussen regnet. Ich bestimme alles selbst! Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.  Heute habe ich z.B. einen Schreibworkshop in einer Gruppe geleitet, die ich besuche – einfach aus Spaß.

      Auch mit weniger Kapital ist es möglich, ins Ausland zu gehen. Man kann an einer Schule Deutsch oder Englisch unterrichten oder Freiwilligenarbeit leisten. Das war für mich jedoch keine Option, denn ich wollte selbstbestimmt bleiben und nicht wieder in eine Struktur (Arbeitsplatz) kommen, wo ich mich zu stark anpassen muss. Ich hatte Angst, dass ich dann ggf. wieder Essattacken bekomme.

      Wie geht es mir inzwischen? Es war die richtige Entscheidung!! Es gibt auch Tage, an denen ich traurig bin oder zweifele, aber das geht vorbei. Ich weiß, dass ich auf mich selbst vertrauen kann. Ich bin stark und kann für alles eine Lösung finden.

      Wie geht es weiter? Ich habe einige Ideen, was ich machen könnte. Im Moment möchte ich meinen Roman fertig schreiben. Vielleicht mache ich ein Yoga-Teacher-Training. Und ich möchte eine Möglichkeit finden, im Ausland zu bleiben. Aber ich suche noch…

      Ich habe viele interessante Leute kennengelernt, die auch auf der Suche sind oder schon ein Leben im Ausland aufgebaut haben. Einer nannte seine Situation ‚the void‘, ‚die grosse Leere‘. Sie kann beängstigend sein, denn wir werden meist dazu erzogen, ein Ziel zu haben und hart zu arbeiten.

      Ich sehe es inzwischen als Abenteuer: Die grosse Leere, bevor etwas Neues entsteht. Und ich bin gespannt, was es für mich sein wird.

      Würdest du auch gern deinen Job kündigen und wo anders leben? Was hält dich davon ab? Hast du andere Hürden als ich? Liebe Grüße

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